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Balkonkraftwerke werden größer: 2026 liegen vier Solarmodule erstmals vor zwei

Technik & Komponenten
Veröffentlicht 16. September 2026
Balkonkraftwerke werden größer: 2026 liegen vier Solarmodule erstmals vor zwei
Das klassische Balkonkraftwerk bestand lange aus zwei Solarmodulen und einem kleinen Wechselrichter. 2026 verändert sich dieses Bild deutlich. Zwar werden aktuell weniger neue Steckersolargeräte registriert als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig steigt aber die installierte Leistung pro Anlage. Vor allem Systeme mit vier Solarmodulen gewinnen stark an Bedeutung.

Eine aktuelle Auswertung des Marktstammdatenregisters zeigt, wie deutlich sich der Markt verschiebt. Zum Stichtag 3. September 2026 waren rund 1,49 Millionen Steckersolargeräte in Deutschland als „in Betrieb“ gemeldet. Zusammen kommen diese Anlagen auf rund 1,6 Gigawattpeak Modulleistung. 


Damit ist das Balkonkraftwerk endgültig kein Nischenprodukt mehr. Interessanter als die reine Zahl der Anlagen ist 2026 jedoch die Frage: Wie groß sind die Systeme inzwischen?

Weniger neue Balkonkraftwerke, aber mehr installierte Leistung

Auf den ersten Blick sehen die aktuellen Zahlen nach einer Abkühlung aus. Von Januar bis Juli 2026 gingen laut Marktauswertung 252.953 Steckersolargeräte in Betrieb. Im gleichen Zeitraum 2025 waren es 285.952. Das entspricht einem Rückgang von 11,5 %.


Bei der installierten Modulleistung zeigt sich jedoch das entgegengesetzte Bild.


Von Januar bis Juli 2026 kamen rund 349,1 Megawattpeak neue Leistung hinzu. Im Vorjahreszeitraum waren es 342,6 Megawattpeak. Trotz weniger neuer Anlagen stieg die neu installierte Leistung damit um 1,9 %.

Noch deutlicher wird der Trend beim Blick auf die einzelne Anlage: Die durchschnittliche Modulleistung neu installierter Systeme stieg von 1.198 Wp im Jahr 2025 auf 1.380 Wp im vergleichbaren Zeitraum 2026. Das entspricht einem Plus von rund 15 %.


„Der Steckersolarmarkt wächst also nicht mehr ausschließlich über die Stückzahl. Die einzelnen Anlagen werden größer", sagt Markus Struck, Geschäftsführer von kleines kraftwerk.

Vier Solarmodule überholen erstmals das klassische Duo

Besonders deutlich ist die Veränderung bei der Zahl der verwendeten Solarmodule.

Noch 2023 bestanden 85,2 % der heute registrierten Anlagen dieses Jahrgangs aus zwei Modulen. Vier Module spielten damals mit einem Anteil von lediglich 6,2 % eine vergleichsweise kleine Rolle.


2026 sieht das völlig anders aus. Unter den in diesem Jahr in Betrieb genommenen Anlagen besitzen laut Auswertung 49,3 % vier Solarmodule. Zwei Module kommen nur noch auf 40,8 %.


Damit hat die Vier-Modul-Konfiguration das klassische Zwei-Modul-Balkonkraftwerk bei den Neuanlagen erstmals überholt.

Auch die Leistung der einzelnen Module ist gestiegen. Während der Median der 2023 installierten Module bei 400 Wp lag, sind es bei der 2026er Kohorte bereits 470 Wp je Modul. Vier moderne Module bringen deshalb schnell 1.800, 1.920 oder sogar 2.000 Wp Modulleistung zusammen.

2.000 Wp werden immer häufiger installiert

Auch das lässt sich im Marktstammdatenregister erkennen: Im gesamten ausgewerteten Bestand sind mehr als 207.000 Anlagen mit exakt 2.000 Wp registriert. Bei den 2026 neu in Betrieb genommenen Geräten beträgt der Anteil solcher 2.000-Wp-Systeme bereits 33,9 %.


Noch deutlicher wird der Trend, wenn nur Anlagen mit vier Solarmodulen betrachtet werden: 63,8 % der 2026 neu in Betrieb genommenen Vier-Modul-Anlagen sind mit genau 2.000 Wp registriert.


„Das klassische Bild vom Balkonkraftwerk mit zwei kleinen Modulen am Balkongeländer beschreibt den Markt deshalb immer weniger vollständig. Steckersolargeräte werden inzwischen auch auf Flachdächern, im Garten, auf Garagen, Hausdächern oder anderen geeigneten Flächen eingesetzt", so Markus Struck erneut.

800 VA bleiben trotzdem die entscheidende Grenze

Mehr Solarmodule bedeuten allerdings nicht automatisch eine höhere maximale Einspeiseleistung in den Haushaltsstromkreis.


Für die vereinfachten Sonderregelungen des EEG darf ein Steckersolargerät derzeit insgesamt höchstens 2.000 Watt installierte Modulleistung und 800 VA Wechselrichterleistung hinter derselben Entnahmestelle besitzen.

Auch hier zeigt die Statistik, dass sich der Markt inzwischen klar eingependelt hat. 88,7 % der 2026 neu in Betrieb genommenen Anlagen sind im Marktstammdatenregister mit exakt 800 Watt Nettonennleistung eingetragen. Die früher verbreitete 600-Watt-Klasse spielt bei Neuanlagen nur noch eine geringe Rolle.

Warum dann überhaupt mehr Module?


Eine größere Modulleistung kann dabei helfen, auch bei weniger optimalen Bedingungen häufiger Solarleistung bereitzustellen.


Ausrichtung, Jahreszeit, Bewölkung, Verschattung und Temperatur beeinflussen, welche Leistung die Module tatsächlich erreichen. Der Wechselrichter begrenzt die Abgabe in den Haushaltsstromkreis dennoch auf die für das System vorgesehene maximale AC-Leistung.

Wichtig: 2.000 Wp bedeuten nicht automatisch Schutzkontakt

Christian Ofenheusle

Senior Inhouse Consultant

„Gerade bei größeren Systemen muss allerdings zwischen den gesetzlichen Leistungsgrenzen und der technischen Produktnorm unterschieden werden. Die seit Dezember 2025 geltende DIN VDE V 0126-95 sieht für ein Steckersolargerät mit Haushaltsstecker maximal 960 Wp Gesamtmodulleistung bei höchstens 800 VA Wechselrichterleistung vor. Dabei müssen zusätzlich die in der Norm definierten Schutzanforderungen erfüllt sein. Für Steckersolargeräte mit mehr als 960 Wp und bis zu 2.000 Wp sieht die Produktnorm eine spezielle Energiesteckvorrichtung vor. Die dafür notwendige Energiesteckdose wird von einer Elektrofachkraft installiert beziehungsweise geprüft."

Ein Vier-Modul-System mit beispielsweise 2.000 Wp ist also nicht einfach nur ein größeres Zwei-Modul-Balkonkraftwerk, das beliebig an eine vorhandene Haushaltssteckdose angeschlossen werden kann.

Auch Speicher werden für Käufer interessanter

Parallel zu größeren Modulfeldern wächst das Interesse an Speichern. Wie hoch der tatsächliche Anteil von Balkonkraftwerken mit Speicher bundesweit ist, lässt sich aus dem Marktstammdatenregister allerdings nicht zuverlässig bestimmen.


In einer ergänzenden Online-Befragung des Energiemagazins mit mehr als 25.000 Teilnehmern gaben 51 % der Befragten Anfang September an, bereits einen Speicher zu nutzen. Weitere 16 % planten einen Speicher.


Diese Zahlen sind ausdrücklich nicht repräsentativ für alle Balkonkraftwerk-Besitzer in Deutschland. Die Befragten waren überdurchschnittlich technikaffin, lebten häufiger im Eigentum und interessierten sich stärker für Speicher als der Gesamtmarkt.


„Die Ergebnisse zeigen deshalb vor allem, dass Speicher bei aktuellen Käufern eine wichtige Rolle spielen. Auch unsere eigenen Bestellungen bei kleines kraftwerk zeigen diese Entwicklung: Gefragt sind insbesondere Komplettsysteme mit Speicher und größeren Modulfeldern. Vier-Modul-Systeme mit etwa 2.000 Wp gehören zu den häufig gewählten Konfigurationen. Gleichzeitig wächst das Angebot an Systemen mit sechs oder acht Modulen und modular erweiterbaren Speichern", so Markus Struck.

Der Begriff „Balkonkraftwerk“ wird eigentlich zu klein

Die Entwicklung zeigt noch etwas anderes: Der Name Balkonkraftwerk passt nur noch teilweise zu dem, was viele Menschen tatsächlich installieren.
Eine ergänzende Nutzerbefragung zur Marktstudie nennt Garten und Flachdach mit 37,6 % als häufigsten Aufstellort unter den Befragten. Weitere 19 % montierten ihre Anlage auf einem Schrägdach. Klassische Gitterbalkone kamen auf 15,8 %.

Auch hierbei handelt es sich nicht um repräsentative Marktanteile. Die Befragung zeigt aber, wie vielseitig Steckersolargeräte inzwischen eingesetzt werden. Aus dem kleinen Solargerät für den Mietwohnungsbalkon ist eine deutlich breitere Produktkategorie geworden.
Dieser Montageort ist besonders beliebt (Credit: kleines kraftwerk)

Balkonkraftwerke 2026: größer statt einfach nur mehr

Bereits 2025 hatte sich diese Entwicklung angekündigt. Die Bundesnetzagentur registrierte im vergangenen Jahr rund 430.000 neue Steckersolargeräte mit insgesamt etwa 0,5 Gigawatt Leistung. Damit entfielen 3,2 % des gesamten deutschen Solarzubaus 2025 auf diese Anlagen. Im Jahr zuvor waren es noch 0,4 Gigawatt beziehungsweise 2,5 %. 2026 setzt sich dieser Trend fort, allerdings mit einer neuen Dynamik.

„Die Zahl neuer Anlagen wächst nicht mehr so schnell wie in den Boomjahren. Gleichzeitig entscheiden sich Käufer häufiger für mehr Modulleistung. Vier Module haben bei den 2026 neu in Betrieb genommenen Anlagen zwei Module erstmals überholt, 800 VA sind inzwischen nahezu Standard und 2.000-Wp-Systeme machen einen immer größeren Teil der Neuanmeldungen aus. Das Balkonkraftwerk verschwindet also keineswegs. Es wird größer. Und wahrscheinlich beschreibt genau das den Steckersolarmarkt 2026 besser als die reine Frage, wie viele neue Anlagen Monat für Monat hinzukommen," so Experte Ofenheusle abschließend.

Marion Helmes

Marion Helmes

Autor/in

Mit mehr als 25 Jahren Erfahrung in renommierten Verlagshäusern und der Unternehmenskommunikation bringt Marion umfassendes Kommunikations-Know-how in die Redaktion von kleines kraftwerk ein. Seit 2025 schreibt sie über erneuerbare Energien und begleitet die Energiewende mit fundierten Ratgebern und praxisnahen Beiträgen.

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