So viel Strom erzeugt ein Balkonkraftwerk wirklich
800 Watt, 960 Wp oder sogar 2.000 Wp: Bei Balkonkraftwerken begegnen dir viele Leistungsangaben. Doch keine dieser Zahlen sagt allein aus, wie viel Strom deine Anlage am Ende eines Tages oder Jahres tatsächlich erzeugt. Denn Watt, Watt Peak und Kilowattstunden beschreiben unterschiedliche Dinge. Hinzu kommen Standort, Ausrichtung, Neigungswinkel, Verschattung und die Begrenzung durch den Wechselrichter.
W vs. Wp: Was am Typenschild steht und was wirklich ankommt
Auf Solarmodulen findest du die Leistungsangabe in Watt Peak (Wp). Sie beschreibt die maximale Leistung des Moduls unter standardisierten Testbedingungen. Ein Solarmodul mit 500 Wp kann unter diesen Bedingungen also eine Leistung von 500 Watt erreichen.
Im Alltag sind die Bedingungen jedoch selten identisch mit denen im Labor. Sonnenstand, Bewölkung, Temperatur, Ausrichtung und Verschattung verändern die aktuelle Leistung laufend.
Die tatsächlich erzeugte Energie wird dagegen in Kilowattstunden (kWh) angegeben. Ein einfaches Beispiel: Ein Gerät mit 500 Watt Leistung, das zwei Stunden lang läuft, benötigt 1 kWh Energie. Bei einem Balkonkraftwerk schwankt die Leistung während des Tages allerdings ständig. Deshalb lässt sich der Jahresertrag nicht einfach aus der maximalen Wattzahl ableiten.
Wie viel Strom erzeugt ein Balkonkraftwerk im Jahr?
Eine pauschale Zahl gibt es nicht. Bei einem gut ausgerichteten Balkonkraftwerk mit rund 800 Wp Modulleistung und wenig Verschattung sind unter guten Bedingungen etwa 600 bis 900 kWh Strom pro Jahr möglich. Der konkrete Wert hängt stark vom Standort und von der Montage ab.
Ein senkrecht am Balkongeländer montiertes Modul liefert beispielsweise eine andere Ertragskurve als ein Modul auf einem Flachdach mit günstigem Neigungswinkel.
Auch die Jahreszeit spielt eine große Rolle. Im Sommer sind mehrere Kilowattstunden an einem sonnigen Tag möglich. Im Winter kann der Tagesertrag dagegen deutlich unter einer Kilowattstunde liegen.
Deshalb ist ein Jahresdurchschnitt nur eine Orientierung.
Wenn du genauer wissen möchtest, wie viel Strom an deinem Standort möglich ist, kannst du unseren Balkonkraftwerk-Ertragsrechner nutzen. Dort lassen sich unter anderem Standort, Modulleistung, Ausrichtung, Neigungswinkel und Verschattung berücksichtigen.
Was deinen Ertrag am stärksten beeinflusst
DC-Oversizing: Warum mehr Modulleistung als 800 Wp sinnvoll ist
Ein häufiger Irrtum lautet: Wenn der Wechselrichter ohnehin nur 800 VA abgeben darf, reichen auch Solarmodule mit insgesamt etwa 800 Wp.
„Ganz so einfach ist es nicht. Solarmodule erreichen ihre Nennleistung nur unter bestimmten Bedingungen. Morgens, am späten Nachmittag, bei Bewölkung, im Winter oder bei ungünstiger Ausrichtung liegt die tatsächliche Leistung oft deutlich darunter. Mehr Modulfläche kann deshalb dafür sorgen, dass der Wechselrichter auch bei schwächerem Licht mehr Solarstrom zur Verfügung hat", sagt Markus Struck, Geschäftsführer von kleines kraftwerk.
Ein Beispiel: Vier Module mit jeweils 500 Wp kommen zusammen auf 2.000 Wp Modulleistung. Der Wechselrichter kann trotzdem auf maximal 800 VA begrenzt sein. Bei sehr hoher Sonneneinstrahlung kann der Wechselrichter einen Teil der möglichen Leistung nicht als AC-Leistung weitergeben. Dieses Begrenzen wird häufig als Clipping bezeichnet.
Morgens, abends oder bei diffusem Licht erreichen die Module ihre maximale Leistung jedoch ohnehin nicht. Genau dann kann die größere Modulfläche einen Vorteil bringen. Mehr Wp bedeutet deshalb nicht automatisch eine höhere maximale Einspeiseleistung, kann aber zu einem höheren Jahresertrag führen.
„Wie groß dieser Vorteil tatsächlich ist, hängt vom konkreten System ab. Besonders interessant können mehrere Module bei Ost-West-Ausrichtung, steiler Montage, zeitweiser Verschattung oder in Verbindung mit einem passenden Speicher sein", so Markus Struck.
Begriffserklärung
Unter Clipping (auch Leistungsbegrenzung oder Abgleichen genannt) versteht man bei einem Balkonkraftwerk das Abflachen der Leistungskurve, wenn die Solarmodule mehr Gleichstrom (DC) erzeugen, als der Wechselrichter in Wechselstrom (AC) umwandeln oder ins Hausnetz einspeisen darf
Wichtig: 2.000 Wp sind nicht automatisch ein Schutkontakt-Balkonkraftwerk
Hier müssen zwei Ebenen voneinander getrennt werden. Denn nach dem EEG gelten die vereinfachten Regelungen für Steckersolargeräte grundsätzlich bis zu:
- 2.000 W installierter Modulleistung
- 800 VA Wechselrichterleistung
Die DIN VDE V 0126-95 legt für Steckersolargeräte ohne elektrischen Speicher zusätzlich technische Anforderungen fest.
Bei einem normkonformen Gerät mit Haushaltsstecker sind demnach höchstens 960 Wp Gesamtmodulleistung vorgesehen.
Für Geräte ohne Speicher mit höherer Modulleistung bis 2.000 Wp sieht die Produktnorm eine spezielle Energiesteckvorrichtung vor.
Wichtig bei Balkonkraftwerken mit Batteriespeicher: Diese werden von DIN VDE V 0126-95 derzeit ausdrücklich nicht vollständig erfasst. Für solche Systeme gelten zusätzliche technische Anforderungen. Entscheidend sind deshalb der konkrete Systemaufbau, die Herstellervorgaben und das jeweils vorgesehene Anschlusskonzept.
Wie viel Strom kannst du davon selbst nutzen?
Für deine Stromkosten ist nicht nur entscheidend, wie viel Solarstrom erzeugt wird. Wichtig ist vor allem, wie viel davon du im Haushalt selbst verbrauchst.
Erzeugt dein Balkonkraftwerk 800 kWh im Jahr und nutzt du davon 500 kWh selbst, ersetzt dieser selbst verbrauchte Solarstrom einen entsprechenden Teil deines Netzstrombezugs.
Bei einem angenommenen Strompreis von 32 Cent je kWh entsprächen 500 selbst genutzte Kilowattstunden rechnerisch:
500 kWh × 0,32 Euro = 160 Euro
Das ist keine allgemeingültige Einsparprognose. Strompreis, Ertrag und Eigenverbrauch unterscheiden sich von Haushalt zu Haushalt. Gerade deshalb ist es sinnvoller, mit den eigenen Verbrauchsdaten zu rechnen, statt mit einer pauschalen Amortisationsdauer.
Was bringt ein Speicher?
Ohne Speicher muss der erzeugte Solarstrom möglichst in dem Moment genutzt werden, in dem die Module ihn produzieren.
Ein Speicher kann überschüssige Energie aufnehmen und später bereitstellen, beispielsweise am Abend oder in der Nacht. Dadurch kann sich der Anteil des selbst genutzten Solarstroms erhöhen.
Ob ein Speicher für deinen Haushalt sinnvoll dimensioniert ist, hängt unter anderem von diesen Punkten ab:
- Jahresstromverbrauch
- Stromverbrauch während des Tages
- Modulleistung
- Solarertrag
- Speicherkapazität
- Lade- und Entladeleistung
- Anschaffungskosten
Muss ein Balkonkraftwerk angemeldet werden?
Ja. Steckersolargeräte innerhalb der gesetzlichen Grenzen müssen im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur registriert werden.
Die Registrierung muss grundsätzlich innerhalb eines Monats nach der Inbetriebnahme erfolgen. Bei Steckersolargeräten innerhalb der EEG-Sonderregeln ist bei unentgeltlicher Abnahme des eingespeisten Stroms keine zusätzliche Anmeldung beim Netzbetreiber erforderlich.
Welche Anlagengröße passt zu dir?
Mehr Modulleistung ist nicht automatisch für jeden Haushalt die beste Lösung. Vor dem Kauf solltest du deshalb fünf Fragen beantworten:
- Wie viel Platz steht für Solarmodule zur Verfügung?
- In welche Himmelsrichtung können die Module ausgerichtet werden?
- Gibt es regelmäßig Verschattung?
- Wie viel Strom verbrauchst du tagsüber?
- Soll überschüssiger Solarstrom gespeichert werden?
Ein Haushalt mit niedrigem Tagesverbrauch benötigt möglicherweise keine große Modulfläche. Bei höherem Verbrauch, einer Ost-West-Ausrichtung oder einem Speicher können zusätzliche Module dagegen deutlich interessanter sein.
Wer vier Module und einen auf 800 VA begrenzten Wechselrichter kombinieren möchte, findet dazu weitere Details in unserem Ratgeber „Balkonkraftwerk mit 2.000 Wp und 800-VA-Wechselrichter: Ist das sinnvoll?“
Fazit: Watt allein sagt wenig über den Ertrag aus
Die Leistung auf dem Typenschild ist nur ein Teil der Rechnung. Entscheidend ist, wie viel Solarstrom eine Anlage über den gesamten Tag und das gesamte Jahr erzeugt und wie viel davon im eigenen Haushalt genutzt werden kann.
Ein Balkonkraftwerk mit rund 800 Wp kann unter guten Bedingungen mehrere hundert Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Mehr Modulfläche kann den Jahresertrag erhöhen, obwohl die maximale AC-Leistung auf 800 VA begrenzt bleibt.
Ob 960 Wp, 2.000 Wp oder ein System mit Speicher sinnvoll ist, hängt jedoch vom Standort, der Ausrichtung, dem Verbrauch und vom technischen Aufbau ab.
Deshalb gilt: Nicht die größte Zahl auf dem Datenblatt entscheidet. Entscheidend ist, welches System zu deinem Haushalt passt.







