Seit Dezember 2025 gibt es erstmals eine eigene Produktnorm für Steckersolargeräte. Sie macht den Anschluss über einen Haushaltsstecker zum anerkannten Bestandteil eines normkonformen Gesamtsystems. Sie setzt dafür aber eine klare Grenze: höchstens 960 Wp Modulleistung und 800 VA Wechselrichterleistung. Das klingt einfach, wird jedoch häufig mit der EEG-Grenze von 2.000 Wp verwechselt.
Was bedeutet „960 Wp am Schutzkontaktstecker“ genau?
Watt Peak, abgekürzt Wp, bezeichnet die Nennleistung der Solarmodule unter festgelegten Standard-Testbedingungen. Zwei Module mit jeweils 480 Wp kommen zusammen auf 960 Wp. Dieser DC-Wert ist nicht mit der Leistung zu verwechseln, die der Wechselrichter in den Haushaltsstromkreis einspeist.
"Die Produktnorm DIN VDE V 0126-95:2025-12 sieht für ein Steckersolargerät mit Haushaltsstecker höchstens 960 Wp Gesamtmodulleistung und 800 VA Einspeiseleistung des Wechselrichters vor. Entscheidend ist dabei das komplette Gerät: Module, Wechselrichter, Anschlussleitung, Stecker und Montagesystem werden als Gesamtsystem betrachtet", sagt Christian Ofenheusle, Senior Inhouse Consultant bei kleines kraftwerk.
| Bauteil oder Wert | Grenze nach Produktnorm | Was der Wert aussagt |
|---|---|---|
| Solarmodule | maximal 960 Wp | Nennleistung auf der Gleichstromseite |
| Wechselrichter | maximal 800 VA | Maximale Scheinleistung auf der Wechselstromseite |
| Netzanschluss | Haushaltsstecker mit vorgeschriebenem Schutzkonzept | Verbindung mit einem geeigneten Endstromkreis |
| Geltungsbereich | Steckersolargerät ohne Energiespeicher | Speichersysteme sind von diesem Normenteil noch nicht erfasst |
Die Module erreichen ihre Nennleistung nur unter definierten Prüfbedingungen. Temperatur, Ausrichtung, Einstrahlung und Verschattung bestimmen die reale Leistung. Gleichzeitig begrenzt der Wechselrichter die Abgabe ins Hausnetz auf höchstens 800 VA.
EEG und Produktnorm: Warum 2.000 Wp und 960 Wp gleichzeitig richtig sind
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz und die Produktnorm beantworten unterschiedliche Fragen. Das EEG definiert, für welche Steckersolargeräte die vereinfachten energierechtlichen Sonderregeln gelten. Die Produktnorm beschreibt dagegen, wie ein sicheres, laienbedienbares Steckersolargerät als Gesamtsystem beschaffen sein soll.
| Regelwerk | Modulleistung | Wechselrichter | Anschluss |
|---|---|---|---|
| EEG-Sonderregeln | bis insgesamt 2.000 W | bis insgesamt 800 VA | Das EEG legt nicht die konkrete Steckerausführung fest |
| DIN VDE V 0126-95 | bis 960 Wp mit Haushaltsstecker; bis 2.000 Wp mit spezieller Energiesteckvorrichtung | bis 800 VA | Konkrete Schutz- und Prüfanforderungen an das Gesamtsystem |
Ein System mit 1.600 oder 2.000 Wp und 800 VA Wechselrichterleistung kann somit unter die vereinfachten EEG-Regeln fallen. Als Steckersolargerät nach der Produktnorm benötigt es bei mehr als 960 Wp jedoch eine spezielle Energiesteckvorrichtung. Die gewöhnliche Schutzkontaktsteckdose reicht dafür nach dem aktuellen Stand der Norm nicht aus.
Die DIN VDE V 0126-95 ist eine technische Produktnorm und beschreibt den anerkannten Sicherheitsmaßstab für Hersteller und Anbieter. Ob ein Produkt normkonform ist, muss aus den Produktinformationen und der Konformitätserklärung des Herstellers hervorgehen. Die bloße Kombination einzelner Komponenten ergibt nicht automatisch ein normkonformes Gesamtsystem.
Warum liegt die Grenze am Haushaltsstecker bei 960 Wp?
Die Zahl entsteht rechnerisch aus 800 plus 20 %. Daraus wird häufig abgeleitet, die zusätzlichen 160 Wp sollten den Wechselrichter möglichst lange an seiner Leistungsgrenze halten. Das ist als alleinige Begründung irreführend.
Das zuständige DKE-Komitee (hier nachzulesen) erklärt die Begrenzung mit dem Schutz der Hausinstallation. Eine höhere Modulleistung kann dazu führen, dass der Wechselrichter über längere Zeit nahezu 800 VA einspeist. Dieser eingespeiste Strom wird vom Leitungsschutzschalter des Endstromkreises nicht auf dieselbe Weise erfasst wie der aus dem Netz bezogene Strom. Für die thermische Belastung der Leitung können sich beide Ströme jedoch addieren.
"Genau deshalb begrenzt die Produktnorm sowohl die Module auf 960 Wp als auch den Wechselrichter auf 800 VA. Die 960 Wp sind damit eine Sicherheitsgrenze für den Anschluss an einen bestehenden Haushaltsstromkreis – keine allgemeine Empfehlung, jeden Wechselrichter grundsätzlich um 20 Prozent zu überbelegen", so Christian Ofenheusle erneut.
Unabhängig von der Produktnorm dürfen zulässige Eingangsspannung, Eingangsstrom und maximale Leistung der einzelnen MPP-Tracker nicht überschritten werden. Mehr Wp sind technisch nur dann vertretbar, wenn Verschaltung und elektrische Kennwerte vollständig zu den Herstellervorgaben passen.
Wann ist ein Haushaltsstecker nach der Produktnorm zulässig?
Die Norm gibt keinen Freibrief für jeden beliebigen Schutzkontaktstecker an jedem Wechselrichter. Sie lässt verschiedene Schutzkonzepte für ein geprüftes Gesamtsystem zu:
Ein modifizierter Haushaltsstecker kann Schutzumhüllungen an seinen Kontaktstiften besitzen.
Eine weitere Variante unterbricht die Verbindung im Stecker, bevor Kontakte gefährlich berührt werden können.
Auch ein Haushaltsstecker in Verbindung mit der vorgeschriebenen Isolierung und sicheren Trennung im Wechselrichter ist vorgesehen.
Wird das Gerät aus der Steckdose gezogen, muss die berührbare Spannung innerhalb einer Sekunde auf höchstens 34 Volt fallen. Der Wechselrichter muss zusätzlich innerhalb von 100 Millisekunden abschalten. Diese Anforderungen betreffen das Zusammenspiel von Wechselrichter, Leitung und Stecker – nicht nur die Form des Steckers.
Sicher anschließen: Darauf kommt es wirklich an
Die Steckdose muss fest installiert, unbeschädigt und für den dauerhaften Betrieb geeignet sein. Bei Unsicherheit prüft eine Elektrofachkraft den Stromkreis.
Mehrfachsteckdosen sind laut Produktnorm wegen möglicher Leitungsüberlastung und verzögerter Spannungsabschaltung nicht zulässig (erfahre hier mehr zum Thema)
Verwende ausschließlich die Anschlussleitung und gegebenenfalls eine vom Hersteller ausdrücklich zugelassene Verlängerung.
Die Norm sieht für die Anschlussleitung eines Steckersolargeräts mindestens fünf Meter Länge vor. Ist dennoch eine Verlängerung erforderlich, darf sie die Schutzfunktionen des Gesamtsystems nicht aushebeln. Auf der DC-Seite dürfen außerdem nur Steckverbinder derselben Produktfamilie und desselben Herstellers miteinander verbunden werden.
Mehrere Steckersolargeräte sind keine Abkürzung zu mehr Leistung. Nach dem EEG werden sämtliche Geräte hinter derselben Entnahmestelle bei den Leistungsgrenzen zusammengerechnet. Die Produktnorm verlangt zudem eine Kennzeichnung, dass nur ein Steckersolargerät pro Anschlussnutzeranlage betrieben werden soll.
Zwei aktuelle Systeme mit 960 Wp Modulleistung
Zwei Module mit jeweils 480 Wp nutzen die DC-Grenze am Haushaltsstecker exakt aus. Ob ein Speicher sinnvoll ist, hängt davon ab, wann du den Solarstrom verbrauchst: Eine Anlage ohne Speicher ist die geradlinige Lösung für eine hohe Tagesgrundlast, ein Speichersystem verschiebt Überschüsse in spätere Stunden.
kleines Kraftwerk-Duo BC
Zwei bifaziale BC-Module mit jeweils 480 Wp treffen auf einen 800-VA-Mikrowechselrichter. Damit passt die Modulnennleistung exakt zur 960-Wp-Grenze für Steckersolargeräte mit Haushaltsstecker.
- 960 Wp aus zwei Glas-Glas-Modulen
- 800 VA maximale Wechselrichterleistung
- Halterung (Made in Germany) und Kabellänge konfigurierbar
DUO BC IM SHOP ANSEHEN
Duo BC mit Solarbank 4 Pro
Das Speicherset kombiniert dieselben 960 Wp mit 5,024 kWh Speicherkapazität und dem Smart Meter Gen 2. Es eignet sich besonders, wenn ein großer Teil des Stromverbrauchs erst am Abend anfällt.
- 960 Wp Modulnennleistung (bis zu 1200Wp durch bifaziale Module)
- 5,024 kWh LFP-Speicher (erweiterbar auf 30,1 kWh mit bis zu 5 Zusatzspeichern à 5,02 kWh)
- Integrierter Wechselrichter mit 800 W Ausgang (bis zu 2500W einstellbar)
- Bedarfsgerechte Steuerung per Smart Meter
SPEICHER-SET IM SHOP ANSEHENDer im Dezember 2025 veröffentlichte Teil der DIN VDE V 0126-95 erfasst Steckersolargeräte mit Energiespeicher ausdrücklich noch nicht. Für solche Systeme gelten zusätzliche Produkt- und Sicherheitsanforderungen. Die 960-Wp-Grenze allein ist daher kein Nachweis, dass ein Speicherset unter diesen Normenteil fällt.
Was gilt zwischen 961 und 2.000 Wp?
Für Steckersolargeräte mit mehr als 960 Wp und höchstens 2.000 Wp sieht die aktuelle Produktnorm eine spezielle Energiesteckvorrichtung vor, beispielsweise nach DIN VDE V 0628-1. Die zugehörige Energiesteckdose muss von einer Elektrofachkraft installiert werden. Dabei wird der betroffene Stromkreis geprüft und bei Bedarf angepasst.
Die maximale Wechselrichterleistung bleibt auch dann bei 800 VA. Wichtig: Mehr Module erhöhen also nicht die maximale Einspeisung in den Haushalt. Sie können jedoch den Jahresertrag erhöhen und bei schwacher Einstrahlung, Ost-West-Ausrichtung oder wechselnder Bewölkung häufiger nutzbare Solarleistung bereitstellen.
Die deutsche Kommission nennt eine künftige Lösung mit zusätzlicher Kommunikations- und Sicherungseinrichtung als mögliches Thema späterer Normrevisionen. Solange diese Revision nicht veröffentlicht ist, darf daraus keine heutige Freigabe für mehr als 960 Wp am Haushaltsstecker abgeleitet werden.
Müssen bestehende Balkonkraftwerke umgerüstet werden?
Nein, allein aufgrund der neuen Produktnorm nicht, denn die DIN VDE V 0126-95 hat keine Auswirkung auf bereits in Betrieb befindliche Steckersolargeräte. Die Norm ist deshalb nicht rückwirkend als pauschales Betriebsverbot für ältere Anlagen zu verstehen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass unsichere Installationen weiterbetrieben werden sollten. Beschädigte Steckdosen, Mehrfachsteckdosen, ungeeignete Verlängerungen oder gemischte DC-Steckverbinder bleiben technische Risiken. Wer Zweifel am Zustand des Stromkreises oder an der Produktkonfiguration hat, sollte Herstellerunterlagen prüfen und eine Elektrofachkraft hinzuziehen.
Neu in Betrieb genommene Steckersolargeräte müssen weiterhin innerhalb eines Monats im Marktstammdatenregister registriert werden (eine Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du hier). Für die vereinfachten EEG-Sonderregeln werden alle Steckersolargeräte hinter derselben Entnahmestelle zusammengerechnet; insgesamt dürfen es höchstens 2.000 W Modulleistung und 800 VA Wechselrichterleistung sein.
Das Fazit: 960 Wp sind die klare Schutzkontakt-Grenze der Produktnorm
Wer ein klassisches Steckersolargerät ohne Speicher über einen Haushaltsstecker betreiben möchte, findet mit zwei 480-Wp-Modulen und einem 800-VA-Wechselrichter eine schlüssige Konfiguration. Die 960 Wp sind dabei Teil des Sicherheitskonzepts für den bestehenden Endstromkreis.
"Mindestens genauso wichtig ist das Gesamtsystem: Der Stecker allein entscheidet nicht über die Normkonformität. Wechselrichter, Abschaltung, Leitung, Steckverbindung, Module und Montagesystem müssen gemeinsam die Anforderungen erfüllen. Ab 961 Wp ist nach der aktuellen Produktnorm eine spezielle Energiesteckvorrichtung mit fachgerecht geprüfter Installation erforderlich", so der Experte erneut.
960 Wp passend zum Standort konfigurieren
Wähle beim Duo BC die Halterung für Balkon, Wand, Garten, Flach- oder Ziegeldach und die benötigte Anschlussleitung direkt auf der Produktseite aus.
DUO BC KONFIGURIERENHäufige Fragen zu 960 Wp am Schutzkontaktstecker
Darf ich 1.000 Wp an eine Schutzkontaktsteckdose anschließen?
Nach der aktuellen DIN VDE V 0126-95 liegt die maximale Gesamtmodulleistung eines Steckersolargeräts mit Haushaltsstecker bei 960 Wp. Zwischen mehr als 960 Wp und 2.000 Wp sieht die Produktnorm eine spezielle Energiesteckvorrichtung vor, deren Steckdose eine Elektrofachkraft installiert und prüft.
Warum erlaubt das EEG trotzdem bis zu 2.000 W Modulleistung?
Das EEG definiert die Leistungsgrenzen für seine vereinfachten Sonderregeln. Es legt nicht das konkrete Schutzkonzept des Steckers fest. Die Produktnorm regelt die technische Ausführung und unterscheidet zwischen Haushaltsstecker bis 960 Wp und spezieller Energiesteckvorrichtung bis 2.000 Wp.
Sind 800 W und 800 VA dasselbe?
Watt bezeichnet Wirkleistung, Voltampere die Scheinleistung. Bei einem Leistungsfaktor von 1 sind die Zahlenwerte gleich. Gesetz und Produktnorm nennen für die Wechselrichtergrenze korrekt 800 VA.
Kann ich einen gewöhnlichen Stecker an einen alten Wechselrichter montieren?
Damit entsteht nicht automatisch ein normkonformes Steckersolargerät. Die Norm betrachtet sämtliche Komponenten und Schutzfunktionen als Gesamtsystem. Maßgeblich sind die Herstellerfreigabe, die Produktdokumentation und die unveränderte, dafür vorgesehene Anschlusskonfiguration.
Darf ein Balkonkraftwerk an eine Mehrfachsteckdose?
Nein. Die Produktnorm schließt Mehrfachsteckdosen wegen des Risikos einer Leitungsüberlastung und möglicher Verzögerungen beim Spannungsabbau ausdrücklich aus.
Gilt die 960-Wp-Produktnorm auch für Balkonkraftwerke mit Speicher?
Der aktuelle Teil der DIN VDE V 0126-95 deckt Steckersolargeräte mit elektrischem Energiespeicher nicht ab. Für sie müssen zusätzliche Anforderungen erfüllt werden.

