04202 507 91 10Mo-Fr 09:00 bis 16:00 Uhr

Balkonkraftwerke 2026: Weniger Neuanlagen im September, doch der Markt verändert sich

Aktuelles/News
Veröffentlicht 16. Oktober 2026
Balkonkraftwerke 2026: Weniger Neuanlagen im September, doch der Markt verändert sich
Im September 2026 wurden in Deutschland deutlich weniger neue Balkonkraftwerke in Betrieb genommen als im Vormonat. Ist der Boom damit vorbei? Ein Blick auf die aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur zeigt ein differenzierteres Bild. Denn während die Zahl der Neuanlagen zurückgeht, werden die installierten Systeme im Durchschnitt leistungsstärker.
Die Begeisterung für Balkonkraftwerke hat in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom ausgelöst. Immer mehr Menschen wollten ihren eigenen Solarstrom erzeugen, zunächst mit zwei Modulen am Balkongeländer, später auch mit größeren Anlagen auf Terrassen, Garagen oder Hausdächern.
Nun zeigen die jüngsten Zahlen der Bundesnetzagentur eine Abschwächung beim Zubau. Laut der am 13. Oktober 2026 ausgewerteten Statistik gingen im September bislang 28.647 neue Steckersolaranlagen mit zusammen 41,7 Megawatt Modulleistung in Betrieb. Im August waren es noch 41.978 Anlagen mit 61,1 Megawatt. Die Zahl der Neuanlagen liegt damit rund 32 Prozent unter dem Vormonat.

Doch aus diesen Zahlen lässt sich nicht ableiten, dass Balkonkraftwerke an Bedeutung verlieren.

Mehr als 1,5 Millionen Balkonkraftwerke sind bereits in Betrieb

Ein Blick auf den Gesamtbestand zeigt, wie stark sich Steckersolar in Deutschland etabliert hat. Ende September waren laut Bundesnetzagentur rund 1,53 Millionen Balkonkraftwerke mit einer installierten Modulleistung von insgesamt 1,67 Gigawatt im Marktstammdatenregister als in Betrieb erfasst.

Allein in den ersten neun Monaten 2026 kamen bislang 327.044 neue Anlagen mit zusammen 456,5 Megawatt Modulleistung hinzu.
Das sind weiterhin erhebliche Stückzahlen. Allerdings wächst der Markt nicht mehr mit derselben Dynamik wie in den vergangenen Boomjahren. Schon in den ersten sieben Monaten 2026 lag die Zahl neuer Steckersolargeräte unter dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Eine wichtige Einschränkung kommt hinzu: Die Septemberzahlen sind vorläufig. Betreiber haben nach der Inbetriebnahme grundsätzlich einen Monat Zeit, ihre Anlage im Marktstammdatenregister anzumelden. Weitere Meldungen und Korrekturen können die Statistik deshalb noch verändern.
Außerdem erfasst die Bundesnetzagentur Inbetriebnahmen und keine Verkaufszahlen. Aus der Statistik lässt sich also nicht unmittelbar ablesen, wie viele Menschen im September ein Balkonkraftwerk bestellt haben.

Balkonkraftwerke werden größer: Vier Module gewinnen an Bedeutung

Interessanter als die reine Stückzahl ist deshalb die Entwicklung der installierten Leistung. Aus den aktuellen Daten ergibt sich für die ersten neun Monate 2026 eine durchschnittliche Modulleistung von rund 1.400 Wp je neuer Anlage. Im gesamten Jahr 2025 lag dieser Wert bei etwa 1.240 Wp. Zwar sind die unterschiedlichen Betrachtungszeiträume zu berücksichtigen, die Entwicklung hin zu leistungsstärkeren Systemen ist aber bereits seit Längerem erkennbar.

Markus Struck

Geschäftsführer

„Eine unserer Auswertungen vom September 2026 zeigte beispielsweise, dass unter den damals erfassten Neuanlagen des Jahres 2026 rund 49 Prozent mit vier Solarmodulen ausgestattet waren. Zwei-Modul-Systeme kamen auf rund 41 Prozent. Das klassische Balkonkraftwerk mit zwei Modulen bekommt damit zunehmend Konkurrenz von größeren Anlagen. Vier moderne Solarmodule können zusammen beispielsweise 1.800 bis 2.000 Wp Nennleistung erreichen."

Mehr Modulleistung bedeutet allerdings nicht automatisch mehr Einspeiseleistung. Im Rahmen der vereinfachten gesetzlichen Steckersolarregelungen gelten weiterhin höchstens 2.000 Wp installierte Modulleistung und insgesamt 800 VA Wechselrichterleistung. Welche Anschlussart technisch geeignet ist, richtet sich nach der Ausführung des Systems und den einschlägigen Sicherheitsanforderungen.

Warum größere Balkonkraftwerke interessant sind

Wer vier statt zwei Solarmodule installiert, kann unter geeigneten Bedingungen mehr Solarstrom erzeugen. Besonders interessant ist das morgens, am späten Nachmittag oder bei weniger intensiver Sonneneinstrahlung. Denn Solarmodule erreichen ihre Nennleistung nur unter standardisierten Testbedingungen. 


Im Alltag beeinflussen Sonnenstand, Temperatur, Bewölkung, Ausrichtung und Verschattung die tatsächliche Leistung. Eine größere Modulfläche kann dazu beitragen, häufiger ausreichend Strom für die Verbraucher im Haushalt bereitzustellen. Der Wechselrichter begrenzt dabei weiterhin die Abgabe an das Hausnetz.

Auch Batteriespeicher wie die Anker SOLIX 3 Pro oder Anker SOLIX 4 Pro erweitern die Nutzungsmöglichkeiten. Sie können tagsüber erzeugten Solarstrom aufnehmen und zu einem späteren Zeitpunkt im Haushalt bereitstellen.


„Ob ein Speicher sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, wann der Strom benötigt wird und wie viel überschüssige Solarenergie zum Laden verfügbar ist. Eine größere Anlage oder ein zusätzlicher Speicher ist deshalb nicht automatisch für jeden Haushalt die wirtschaftlich bessere Wahl", so Markus Struck.

Lohnt sich die Anschaffung eines Balkonkraftwerks auch im Herbst?

Der Herbst ist für viele Menschen nicht unbedingt die Jahreszeit, in dem sie über die Anschaffung einer Solaranlage nachdenken. Schließlich werden die Tage kürzer, und die Sonneneinstrahlung nimmt ab. Doch ein Balkonkraftwerk ist keine Anschaffung für eine einzige Jahreszeit. Entscheidend ist, wie viel Strom die Anlage über das gesamte Jahr erzeugen und wie viel davon der Haushalt selbst nutzen kann.

Im Herbst und Winter fällt der Solarertrag in Deutschland normalerweise deutlich geringer aus als im Frühjahr und Sommer. Das ist bei der Planung zu berücksichtigen, spricht aber nicht grundsätzlich gegen eine Anschaffung in der zweiten Jahreshälfte. Wer sich jetzt mit einem Balkonkraftwerk beschäftigt, kann den Montageort prüfen, die passende Modulanzahl auswählen und den voraussichtlichen Jahresertrag berechnen.

Ein Tipp: unser Ertragsrechner. Er berücksichtigt unter anderem Standort, Modulleistung, Ausrichtung und Verschattung. Die Ergebnisse sind Modellrechnungen und keine garantierten Ertrags- oder Einsparwerte.

„Wichtig bleibt außerdem eine sichere Installation. Bei Steckersolargeräten ohne Speicher sieht die DIN VDE V 0126-95 für geeignete Haushaltsstecker höchstens 960 Wp Modulleistung vor. Für bis zu 2.000 Wp ist nach dieser Produktnorm eine spezielle Energiesteckvorrichtung vorgesehen, deren Steckdose durch eine Elektrofachkraft installiert werden muss. Steckersolargeräte mit Batteriespeicher fallen bislang nicht unter diese Produktnorm". sagt Christian Ofenheusle, Head of Regularity & Public Affairs bei kleines kraftwerk.

Mehr dazu erklären wir im Ratgeber zu 960 Wp am Schutzkontaktstecker.

Fazit: Der Balkonkraftwerk-Markt entwickelt sich weiter

Die Septemberzahlen zeigen, dass sich das Tempo beim Ausbau der Balkonkraftwerke abgeschwächt hat. Das sollte man nicht kleinreden. Genauso wenig wäre es aber gerechtfertigt, aus einem einzelnen Monatswert das Ende des Steckersolar-Booms abzuleiten.


Mehr als 1,5 Millionen registrierte Anlagen und über 327.000 Neuanlagen allein in den ersten neun Monaten 2026 verdeutlichen, welche Bedeutung diese Form der privaten Stromerzeugung inzwischen erreicht hat.


Gleichzeitig verändern sich die Systeme. Vier Solarmodule gewinnen an Bedeutung, die durchschnittliche Modulleistung steigt und Speicher bieten zusätzliche Möglichkeiten, selbst erzeugten Solarstrom zeitlich versetzt zu nutzen. Für Verbraucher bleibt deshalb weniger die Frage entscheidend, wie viele Balkonkraftwerke andere Menschen gerade kaufen. Wichtiger ist, welches System zur eigenen Wohnsituation, zum verfügbaren Platz und zum Stromverbrauch passt.

Marion Helmes

Marion Helmes

Autor/in

Mit mehr als 25 Jahren Erfahrung in renommierten Verlagshäusern und der Unternehmenskommunikation bringt Marion umfassendes Kommunikations-Know-how in die Redaktion von kleines kraftwerk ein. Seit 2025 schreibt sie über erneuerbare Energien und begleitet die Energiewende mit fundierten Ratgebern und praxisnahen Beiträgen.

Teilen: