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Balkonkraftwerk mit Speicher als Notstromlösung für Stromausfälle – was geht, was nicht?

9. Juli 2026
Marion Helmes

Marion Helmes

Autor/in

Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in großen Verlagshäusern und in der PR bringt Marion tiefes Kommunikations-Know-how in die Redaktion von Kleines Kraftwerk. Seit 2025 berichtet sie dort über alle relevanten Themen rund um Erneuerbare Energie.

Balkonkraftwerk mit Speicher als Notstromlösung für Stromausfälle – was geht, was nicht? - Kleines Kraftwerk
Ein Kabelbrand über dem Teltowkanal in Berlin sorgte Anfang des Jahres dafür, dass rund 45.000 Haushalte zeitweise ohne Strom waren. Vielerorts fielen zudem die Heizungen aus, sodass sogar Notunterkünfte eingerichtet werden mussten. Solche Ereignisse sind zwar selten, zeigen aber eindrücklich, wie schnell aus einer abstrakten Sorge ein konkretes Problem werden kann. Kein Wunder also, dass sich immer mehr Besitzer eines Balkonkraftwerks fragen, ob ihre kleine Solaranlage im Ernstfall auch als Notstromquelle dienen kann.
Die ehrliche Antwort: Es kommt ganz auf die Technik an. Und die Unterschiede sind größer, als die meisten Menschen vermuten.

Warum ein Balkonkraftwerk bei einem Stromausfall erstmal nichts bringt

Wenn du ein normales Balkonkraftwerk ohne Speicher besitzt, hilft dir das bei einem Stromausfall zunächst gar nicht,  selbst wenn draußen die Sonne scheint. Der Grund liegt im sogenannten NA-Schutz (Netz- und Anlagenschutz), der nach der technischen Anschlussregel VDE-AR-N 4105 in jedem Wechselrichter verbaut sein muss. 
Sobald der Wechselrichter keine Netzspannung mehr erkennt, trennt er sich aus Sicherheitsgründen sofort vom Netz und stellt die Einspeisung ein. Das ist kein Fehler, sondern zwingend vorgeschrieben.
Notstrom aus dem Balkonkraftwerk funktioniert deshalb nur, wenn ein zusätzlicher Speicher mit eigenständiger Inselbetrieb-Funktion im System steckt.

Ein notstromfähiger Speicher überwacht permanent die Netzspannung

"Fällt die Netzspannung aus, erkennt das System den Stromausfall, trennt sich automatisch und vollständig vom öffentlichen Stromnetz und baut ein eigenes, vom Netz unabhängiges Inselnetz auf. Über eine separate Notstrom- beziehungsweise EPS-Steckdose (Emergency Power Supply) stellt der Speicher anschließend Wechselstrom für angeschlossene Verbraucher bereit", so Christian Ofenheusle, Senior Inhouse Consultant bei kleines kraftwerk.

Ein großer Irrtum

Viele glauben, dass ein Balkonkraftwerk bei Stromausfall automatisch Strom liefert, das stimmt nicht. Ein Speicher mit Notstromfunktion ist entscheidend, damit Solarstrom im Blackout nutzbar ist.

Je nach Hersteller und System übernimmt dafür ein spezieller Inselwechselrichter oder ein entsprechend ausgelegter Wechselrichter die Stromversorgung.

Entscheidend ist, dass das öffentliche Netz vollständig getrennt bleibt, bevor Notstrom bereitgestellt wird. Wichtig dabei: Die Solarmodule erzeugen während eines Stromausfalls weiterhin Strom – vorausgesetzt, es ist ausreichend Sonneneinstrahlung vorhanden. Dieser fließt zunächst in den Speicher und versorgt anschließend die an der Notstrom- beziehungsweise EPS-Steckdose angeschlossenen Verbraucher.

"Nachts oder bei sehr geringer Sonneneinstrahlung steht dagegen nur die zuvor im Speicher gespeicherte Energie zur Verfügung", so der Experte weiter.

Wichtig

Die Notstromfunktion versorgt ausschließlich Geräte, die direkt an der Notstromsteckdose angeschlossen werden.

Was du realistisch betreiben kannst – und was nicht

Aktuelle Modelle wie die Anker SOLIX 3 oder der Solakon ONE liefern über ihre Notstrom-Steckdose typischerweise bis zu 1.200 Watt, einzelne Systeme im Inselmodus auch bis zu 2.500 Watt Dauerleistung. Das reicht für:

  • Kühlschrank und Gefrierschrank
  • WLAN-Router und Modem
  • Beleuchtung (LED-Lampen)
  • Smartphone- und Laptop-Ladegeräte
  • kleinere Ladegeräte oder medizinische Kleingeräte
Nicht dazu gehören hingegen Großverbraucher: Ein Elektroherd benötigt je nach genutzten Kochzonen und Backofen zwischen 2.000 und 10.000 Watt, eine Waschmaschine kann beim Aufheizen oder Anlaufen kurzzeitig mehr als 2.500 Watt aufnehmen.

Auch ein Elektroauto lässt sich über die Notstromfunktion eines Balkonkraftwerks nicht sinnvoll laden. Selbst wenn die Leistungsaufnahme einzelner Geräte rechnerisch noch passen würde, wäre ein typischer Balkonkraftwerk-Speicher mit 2 bis 5 Kilowattstunden schnell entladen.

Für solche Anwendungen ist eine vollwertige Photovoltaikanlage mit großem Heimspeicher und Hybrid-Wechselrichter erforderlich.
Eine Beispielrechnung verdeutlicht das Potenzial: Ein Zwei-Personen-Haushalt mit einer 2,68-kWh-Batterie kann seinen Kühlschrank (rund 40 Watt, 24 Stunden), den Router (10 Watt), die Beleuchtung (2–3 LED-Lampen à 8 Watt) und zwei Smartphones über den Tag hinweg problemlos versorgen – im Sommer bei zusätzlichem Solarertrag bis zu zweieinhalb Tage, im Winter mit reiner Netzladung eher ein bis zwei Tage.

Praktische Tipps für deine Notstrom-Vorsorge

Mit der richtigen Vorbereitung lässt sich die Notstromfunktion eines Balkonkraftwerks im Ernstfall deutlich sinnvoller nutzen. 

Was zu tun ist

Speicher regelmäßig nachladen.

Gerade im Winter, wenn die Sonneneinstrahlung gering ist, sollte man seinen Speicher bei Bedarf gezielt über das öffentliche Stromnetz aufladen – sofern dein Modell eine Netzladefunktion unterstützt. So steht im Ernstfall möglichst viel Energie zur Verfügung, etwa wenn Unwetter angekündigt sind.

Beim Kauf auf eine Notstromfunktion achten

Nicht jeder Batteriespeicher kann bei einem Stromausfall Notstrom bereitstellen. Achte deshalb darauf, dass das Gerät ausdrücklich über eine EPS- oder Notstromfunktion mit Inselbetrieb verfügt. Reine Speicher ohne diese Funktion schalten sich bei einem Netzausfall ebenso ab wie der Wechselrichter.

Wichtige Verbraucher priorisieren

Überlege dir schon im Vorfeld, welche Geräte im Ernstfall wirklich versorgt werden sollen. Schließe ausschließlich diese an die Notstrom- beziehungsweise EPS-Steckdose an. Einige Systeme ermöglichen zudem eine Priorisierung bestimmter Verbraucher.

Mobile Speicher flexibel einsetzen

Mobile Batteriespeicher lassen sich bei Bedarf ins Haus holen und dort über die integrierte Notstromsteckdose mit wichtigen Geräten verbinden. So bleiben diese auch während eines Stromausfalls versorgt.

Den rechtlichen Rahmen kennen

Steckersolargeräte mit bis zu 800 Voltampere (VA) Wechselrichterleistung und 2.000 Watt Modulleistung gelten als privilegierte Balkonkraftwerke. Sie müssen lediglich im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur registriert werden. Die Notstromfunktion eines Speichers muss nicht gesondert angemeldet werden.

Das Fazit

Ein Balkonkraftwerk mit Speicher ersetzt kein Notstromaggregat und keine autarke Hausanlage – aber es überbrückt zuverlässig die kritischen ersten Stunden oder sogar Tage eines Stromausfalls, wenn Kühlschrank, Router und Licht weiterlaufen sollen. Die Voraussetzung dafür ist ein Speicher mit echter, eigenständiger Inselbetrieb-Funktion. "Wer beim Kauf gezielt darauf achtet und den Speicher regelmäßig geladen hält, hat mit vergleichsweise geringem Aufwand eine praktikable Absicherung für den Ernstfall", so der Experte Ofenheusle abschließend.

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