1.000 Watt fürs Balkonkraftwerk? Warum mehr Leistung nicht automatisch besser ist
Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag basiert auf einer Stellungnahme des Bundesverbands Steckersolar (BVSS). Dessen Vorsitzender Christian Ofenheusle ist zugleich Head of Regulatory & Public Affairs bei kleines kraftwerk.
Soll die Leistungsgrenze für Balkonkraftwerke von 800 auf 1.000 VA steigen? Darüber wird im Zuge der EEG-Novelle diskutiert. Was zunächst nach einem einfachen Fortschritt klingt, wirft wichtige Fragen zur Sicherheit und zu Batteriespeichern auf.
Die Diskussion über leistungsstärkere Balkonkraftwerke bekommt neuen Schwung. Nach Angaben des Bundesverbands Steckersolar (BVSS) schlägt die CDU/CSU-Bundestagsfraktion vor, die bisherige Wechselrichtergrenze von 800 auf 1.000 Voltampere (VA) anzuheben. Der Verband hält eine Weiterentwicklung für sinnvoll, warnt aber davor, die Zahl einfach auszutauschen. Seine Alternative: eine dynamische Begrenzung, die den tatsächlich betroffenen Stromkreis berücksichtigt.
Was gilt derzeit für Balkonkraftwerke?
Stand Oktober 2026 gelten für das vereinfachte Verfahren nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) weiterhin zwei wichtige Grenzen: insgesamt höchstens 2.000 Wattpeak (Wp) Modulleistung und 800 VA Wechselrichterleistung.
Hinzu kommen weitere Voraussetzungen, etwa der Betrieb hinter der eigenen Entnahmestelle und die Zuordnung zur unentgeltlichen Abnahme. Für solche Anlagen genügt grundsätzlich die Registrierung im Marktstammdatenregister, sofern die technischen Anschlussregeln eingehalten werden (erfahre hier, welche Angaben du eingeben musst).
Dabei stehen Wp und VA für unterschiedliche Dinge: Wp bezeichnet die Nennleistung der Solarmodule unter festgelegten Testbedingungen. VA beschreibt die elektrische Scheinleistung auf der Wechselstromseite. Vier Module mit zusammen 2.000 Wp bedeuten deshalb nicht, dass dauerhaft 2.000 Watt ins Hausnetz fließen.
Warum sind 1.000 VA nicht einfach unproblematisch?
Ein Balkonkraftwerk speist Strom in einen bestehenden Endstromkreis ein. Gleichzeitig können dort andere Geräte Strom beziehen. Je nach Leitungsführung können sich Ströme aus dem öffentlichen Netz und vom Wechselrichter in einzelnen Leitungsabschnitten addieren, ohne dass der Sicherungsautomat diese Summe vollständig erfasst.
Bei 230 Volt entsprechen 800 VA rund 3,5 Ampere, 1.000 VA etwa 4,35 Ampere. Die zusätzliche Leistung verändert also die mögliche Belastung. Ob daraus ein Sicherheitsproblem entsteht, hängt unter anderem von Leitungen, Absicherung, Steckverbindungen und angeschlossenen Verbrauchern ab. Eine Gesetzesänderung allein macht einen Stromkreis nicht belastbarer.
Was sagt die neue Steckersolar-Norm?
Die Produktnorm DIN VDE V 0126-95 vom Dezember 2025 erlaubt für entsprechend normgerechte Geräte maximal 800 VA Wechselrichterleistung. Beim Anschluss über einen Schutzkontaktstecker ist die Modulleistung auf 960 Wp begrenzt. Bis zu 2.000 Wp sieht die Norm eine spezielle Energiesteckvorrichtung vor, deren Steckdose eine Elektrofachkraft installiert. Diese prüft auch den Stromkreis und passt ihn nötigenfalls an.
Wichtig
Die Produktnorm deckt Steckersolargeräte mit Batteriespeicher noch nicht als vollständiges Gesamtsystem ab. Für solche Kombinationen sind zusätzliche Anforderungen zu beachten.
Können intelligente Systeme die Grenze überwinden?
Das ist der Ansatz des BVSS. Eine dynamische Lastbegrenzung könnte die Einspeisung automatisch reduzieren, sobald ein Stromkreis an seine zulässige Belastung herankommt. Dafür müsste das System die entscheidenden Ströme zuverlässig erfassen und auch bei Fehlern oder Kommunikationsausfall sicher reagieren.
„Ein Smart Meter, der lediglich den gesamten Stromverbrauch im Haushalt misst, erfüllt diese Aufgabe nicht automatisch. Ob und unter welchen Bedingungen künftig mehr als 800 VA möglich sind, müssen Gesetzgebung und technische Regelwerke erst klären", sagt Christian Ofenheusle.
Und was ist mit Speichern ohne Solarmodule?
Der BVSS fordert außerdem, eigenständige AC-gekoppelte Speicher rechtlich stärker zu berücksichtigen. Solche Speicher, wie die Max AC von Anker SOLIX, können Strom aus dem Netz aufnehmen und später im Haushalt nutzen, beispielsweise in Verbindung mit einem dynamischen Tarif. Sie sind deshalb auch für Wohnungen ohne geeignete Solarfläche interessant.
Für bestimmte Kleinstspeicher bis insgesamt 800 VA gibt es durch die VDE-AR-N 4105:2026-03 bereits einen vereinfachten Anschlussprozess beim Netzbetreiber. Das ist allerdings nicht dasselbe wie die derzeitigen EEG-Vereinfachungen für Steckersolargeräte.
Auch die am 1. Oktober 2026 beschlossene MiSpeL-Festlegung der Bundesnetzagentur eröffnet neue Möglichkeiten für Speicher und Ladepunkte. Sie ist aber kein Freibrief für den beliebigen Anschluss von Steckerbatterien; für ihre Nutzung gelten weitere Voraussetzungen.
Fazit: Sicherheit vor einer neuen Wattzahl
1.000 VA könnten künftig für bestimmte Systeme interessant werden. Entscheidend ist jedoch nicht allein die Wechselrichterleistung, sondern ob Anschluss, Schutztechnik und Stromkreis zusammenpassen. Bis zu einer Änderung der Regeln bleiben für vereinfachte Steckersolargeräte die geltenden 800 VA maßgeblich.
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