Gut zu wissen: Warum modulare Speicher immer wichtiger werden
Der Reiz ist verständlich: klein anfangen, später nachrüsten. Wer sich für ein Balkonkraftwerk interessiert, stößt heute fast überall auf Speicherlösungen, die mit genau diesem Versprechen werben. Starte mit zwei Kilowattstunden, füge später eine zweite Einheit hinzu, irgendwann hast du ein System, das deinen halben Haushalt durch die Nacht bringt. Auf dem Papier klingt das nach echtem Komfort. In der Praxis ist die Sache etwas komplizierter – und wer ein paar Details kennt, kauft am Ende klüger.
Dieser Boom hat einen einfachen Grund
Allein 2024 wurden laut einer Marktstudie von EUPD Research* rund 222.000 Balkonkraftwerk-Speicher installiert und in Betrieb genommen – ein Wachstum von 97 % im Vergleich zum Vorjahr. Dieser Boom hat einen einfachen Grund: Ohne Speicher wirft ein Balkonkraftwerk tagsüber Strom ab, den kaum jemand zu Hause verbraucht. Der selbst erzeugte Strom fließt unvergütet ins Netz. Mit einem Speicher ändert sich die Rechnung grundlegend: Der Eigenverbrauchssprung liegt bei 30 bis 40 % ohne Speicher und steigt auf 60 bis 80 % mit einem 2- bis 3-kWh-Speicher.
Gleichzeitig sind die Preise für Komplettsysteme in den letzten Jahren deutlich gefallen. Die Speicherkosten pro Kilowattstunde sind mit durchschnittlich 300 bis 400 Euro pro kWh deutlich gesunken. Das macht den Einstieg für viele Haushalte realistisch, die bisher abgewartet hatten.
Genau hier setzt das Modularitätskonzept an. Wer nicht sofort 1.500 Euro für ein vollausgebautes System ausgeben möchte, kauft zunächst eine Basiseinheit – und entscheidet später, ob er sie erweitert.
Was steckt dahinter?
Modulare Speicher bestehen im Kern aus einer Steuereinheit – oft als Hub, CCU oder Basisstation bezeichnet – und einer oder mehreren Batterieeinheiten, die sich daran anschließen lassen. Die Steuereinheit übernimmt die Kommunikation mit dem Wechselrichter, regelt Lade- und Entladeströme und sorgt dafür, dass das System nicht mehr einspeist, als erlaubt ist. Die Batterieeinheiten selbst sind häufig baugleich und lassen sich stapeln oder nebeneinander platzieren.
Der Growatt Noah 2000 erlaubt beispielsweise bis zu vier Einheiten, was eine Gesamtkapazität von 8 kWh ermöglicht. Die Erweiterung klappt mechanisch wie elektrisch, auch wenn sich die Module beim Laden und Entladen gelegentlich leicht asynchron verhalten. Ähnlich arbeitet der Zendure SolarFlow: Beim Zendure liegt die Obergrenze für die Kombination mehrerer Speichermodule bei 11,5 kWh, während das Anker SOLIX 3 modular auf bis zu 16 kWh erweiterbar ist.
Die drei Marktführer setzen dabei auf Lithium-Eisenphosphat-Akkus (LiFePO₄), die 3.000 bis 5.000 Ladezyklen erreichen und auch bei hohen Temperaturen stabil arbeiten. Das ist keine Kleinigkeit: Diese Chemie gilt als deutlich langlebiger und sicherer als ältere Lithium-Ionen-Varianten, und sie verträgt tiefes Entladen besser – was im täglichen Betrieb eines Balkonspeichers dauerhaft passiert.
Die versteckten Kosten der Flexibilität
Hier wird es interessant, und viele Kaufentscheidungen werden an dieser Stelle leider nicht gründlich genug durchgedacht. Modularität klingt nach Freiheit, ist aber häufig mit einem Preisaufschlag verbunden, der sich erst bei näherer Betrachtung zeigt.
Ein Beispiel: Ein Komplettsystem liegt bei rund 1600 Euro, mit zwei Batterien bei 2200 Euro. Wer also zuerst das kleinere System kauft und später eine zweite Einheit nachkauft, zahlt für die Ergänzung rund 600 Euro – was als Einzelkauf in der Regel mehr pro Kilowattstunde kostet als der ursprüngliche Kauf. Hinzu kommen mögliche Versandkosten, eventuell eine neue Firmware-Version, und in Einzelfällen sogar ein Update der Steuereinheit.
„Das ist kein Einzelfall. Wer modular denkt, sollte von Anfang an ausrechnen, was die geplante Endstufe kosten würde – sowohl als Gesamtkauf als auch in Schritten. Die Differenz kann je nach System und Zeitpunkt der Erweiterung erheblich sein. Als Faustregel gilt: Je kleiner der erste Kauf, desto teurer wird die Kilowattstunde am Ende“, so Markus Struck, Geschäftsführer von kleines kraftwerk.
Das Kompatibilitätsproblem: Nicht alles passt zu allem
Das zweite große Thema ist die Frage der Kompatibilität, und zwar nicht nur zum Zeitpunkt des Kaufs, sondern über die gesamte Nutzungsdauer.
Stellt sicher, dass das gewählte Speichersystem mit eurem Balkonkraftwerk und den vorhandenen Komponenten kompatibel ist. Dies umfasst sowohl die elektrische Anbindung als auch die Softwareintegration. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. In der Praxis gibt es am Markt Systeme, die zusätzliche Batteriemodule nur innerhalb derselben Produktgeneration akzeptieren.
Kaufst du heute beispielsweise eine Basisstation aus dem Baujahr 2024 und beabsichtigst, dir in zwei Jahren eine Zusatzbatterie zu gönnen, kann es passieren, dass der Hersteller inzwischen eine neue Generation eingeführt hat – und das alte Modul nicht mehr ins Sortiment gehört.
"Wer einen Speicher langfristig betreiben möchte, sollte vor dem Kauf nicht nur fragen, was heute kompatibel ist, sondern auch, wie der Hersteller mit Produktgenerationen umgeht und wie lange Ersatzteile und Zusatzmodule voraussichtlich verfügbar bleiben. Anbieter mit einer klaren Roadmap und nachgewiesener Abwärtskompatibilität verdienen hier mehr Vertrauen als solche, die ihre Produktlinien jährlich vollständig überarbeiten. Ein Blick in Nutzerforen und Testberichte lohnt sich an dieser Stelle mehr als das Studium der Herstellerwebseite", so Markus Struck erneut.
Wie viel Kapazität du wirklich brauchst
Bevor die Frage der Erweiterbarkeit überhaupt relevant wird, sollte man sich ehrlich überlegen, wie viel Speicher die eigene Anlage sinnvoll nutzen kann. Die HTW Berlin bestätigt in der Stromspeicher-Inspektion 2025, dass jede zusätzliche Kilowattstunde Speicher bei 800-Watt-Systemen etwa 130 bis 180 Kilowattstunden zusätzlich nutzbar macht – oberhalb von 3 Kilowattstunden flacht die Kurve jedoch ab, weil der tägliche Überschuss eines 800-Watt-Systems selten 3 Kilowattstunden übersteigt.
Das ist ein wichtiger Hinweis: Wer mit einem 800-Watt-Balkonkraftwerk plant, für den ist ein Speicher von 2 bis 3 Kilowattstunden in den meisten Fällen die sinnvollste Größe. Ein weiteres Modul draufzupacken, nur weil es möglich ist, bedeutet nicht automatisch mehr Ersparnis – die Batterie würde schlicht nicht ausreichend oft vollständig ge- und entladen, was die Lebensdauer belasten und die Wirtschaftlichkeit verschlechtern kann.

Im Zweifel lieber etwas kleiner kaufen – bei vielen Speichern kann man die Kapazität noch erweitern. Dieser Rat trifft es gut, allerdings gilt er eben nicht unbegrenzt: Die Erweiterungsoption sollte man kennen, aber nicht als Freifahrtschein missverstehen, um jetzt beliebig klein zu kaufen und später nachzurüsten.
Rechtlich entspannt: Was sich seit 2024 vereinfacht hat
Wer bisher vom bürokratischen Aufwand abgeschreckt wurde, kann aufatmen. Die größte Änderung des Solarpakets I: Die Anmeldung beim Netzbetreiber entfällt seit April 2024. Du musst deine Anlage nur noch einmalig im Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur registrieren. Der Speicher selbst löst dabei keine eigene Anmeldepflicht aus, solange die Wechselrichterleistung 800 Watt nicht übersteigt.
Die Anwendungsregel VDE-AR-N 4105 regelt den Anschluss von Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz. Entscheidend beim Nachrüsten ist der Netz- und Anlagenschutz. Fällt das öffentliche Netz aus, muss der Wechselrichter die Einspeisung innerhalb von 200 Millisekunden stoppen.
Alle seit 2019 verkauften BKW-Wechselrichter haben diesen Schutz integriert. Wer also ein älteres Gerät besitzt, sollte das vor einer Speichererweiterung prüfen – aber für die große Mehrheit der aktuellen Anlagen ist das kein Problem. Auch steuerlich gibt es gute Nachrichten: Der Nullsteuersatz nach § 12 Abs. 3 UStG gilt für Speicher und Komplettsysteme bis 800 Watt Wechselrichterleistung. Es fällt also keine Mehrwertsteuer an, was den effektiven Kaufpreis spürbar senkt.
Was du vor dem Kauf wissen solltest
Wer sich für ein modulares System entscheidet, sollte sich ein paar konkrete Fragen stellen, bevor er auf Kaufen klickt. Erstens: Was kostet das System in der Ausbaustufe, die ich langfristig anstrebe – und was kostet es in Schritten? Zweitens: Welche Erweiterungsmodule sind aktuell erhältlich, und gibt es Hinweise, wie lange der Hersteller die aktuelle Produktgeneration weiterführt? Drittens: Passt die Basiskapazität bereits zu meinem tatsächlichen Verbrauch, oder kaufe ich etwas deutlich Kleineres, nur um günstig zu starten?
Es ist nicht ratsam, das teuerste und leistungsfähigste System zu wählen, wenn die zusätzlichen Funktionen nicht genutzt werden können.
Überlege dir, welche Features für deine spezifischen Bedürfnisse tatsächlich relevant sind. Das gilt genauso andersherum: Wer weiß, dass er in zwei Jahren mehr Kapazität brauchen wird, sollte das von Anfang an in die Kaufentscheidung einbeziehen – und lieber heute das richtige System kaufen als in drei Jahren vor einem Kompatibilitätsproblem zu stehen.
Modularität
Die wahre Stärke der Modularität zeigt sich bei den Batteriespeichern. Systeme wie Anker SOLIX & Co. arbeiten mit steckbaren Erweiterungs-Akkus.
Die Modularität ist eine echte Stärke des aktuellen Marktes. Aber sie ist kein Selbstzweck und kein Ersatz für eine durchdachte Planung. Wer sich die Zeit nimmt, seinen Verbrauch zu verstehen, die Kostenrechnung über den gesamten Ausbau aufzustellen und die Kompatibilitätsfrage ehrlich zu stellen, kauft am Ende nicht nur günstiger – sondern auch mit weniger bösen Überraschungen.
* Die Studie (hier aufrufbar) wurde im April 2025 gemeinsam von EUPD Research und Anker SOLIX veröffentlicht – also von einem der größten Hersteller im Markt.



