Kann ein Balkonkraftwerk den Eigenverbrauch einer Wärmepumpe sinnvoll erhöhen?
Frage des tages
Die kurze Antwort
Ja. Ein Balkonkraftwerk kann dazu beitragen, dass eine Wärmepumpe einen Teil ihres Strombedarfs direkt mit selbst erzeugtem Solarstrom deckt. Besonders sinnvoll ist das, wenn die Wärmepumpe tagsüber läuft und Balkonkraftwerk und Wärmepumpe hinter demselben Stromzähler betrieben werden.
Ganz versorgen kann ein Balkonkraftwerk eine Wärmepumpe in der Regel allerdings nicht. Die elektrische Leistungsaufnahme einer Wärmepumpe kann deutlich höher sein als die gerade verfügbare Leistung des Balkonkraftwerks. Den fehlenden Strom liefert dann automatisch das öffentliche Netz.
Warum ist das so?
Ein Balkonkraftwerk versorgt normalerweise kein bestimmtes Gerät direkt. Der Wechselrichter speist den erzeugten Solarstrom in den Stromkreis des Hauses ein. Läuft in diesem Moment die Wärmepumpe, kann sie einen Teil dieser Energie nutzen. Nur der darüber hinaus benötigte Strom muss aus dem Netz bezogen werden.
Das Prinzip gilt auch dann, wenn eine Wärmepumpe dreiphasig angeschlossen ist und das Balkonkraftwerk nur auf einer Phase einspeist. Voraussetzung für die bilanzielle Verrechnung über die verschiedenen Phasen ist ein entsprechend saldierender Abrechnungszähler.
Entscheidend ist deshalb weniger die maximale Leistung der Solarmodule als die Frage, wann Solarstrom erzeugt und wann Strom benötigt wird. Genau hier gibt es bei Wärmepumpen eine Besonderheit: Ihr Strombedarf ist häufig im Winter besonders hoch. In dieser Jahreszeit erzeugt ein Balkonkraftwerk aufgrund kürzerer Tage und niedriger Sonnenstände gleichzeitig deutlich weniger Energie.
Im Frühling, Sommer und Herbst kann die Kombination günstiger aussehen. Wird Warmwasser überwiegend tagsüber bereitet, kann mehr Solarstrom direkt genutzt werden.
Das solltest du beachten
Besonders wichtig ist, wie deine Wärmepumpe an den Stromzähler angeschlossen ist.
„Läuft die Wärmepumpe über denselben Stromzähler wie Kühlschrank, Waschmaschine und andere Geräte im Haushalt, kann sie auch den Strom deines Balkonkraftwerks nutzen. Vereinfacht gesagt: Erzeugt das Balkonkraftwerk gerade Strom und die Wärmepumpe läuft gleichzeitig, muss entsprechend weniger Strom aus dem Netz bezogen werden", sagt Markus Struck, Geschäftsführer von kleines kraftwerk.
Etwas komplizierter wird es, wenn die Wärmepumpe einen eigenen Stromzähler hat. Das ist zum Beispiel bei einem speziellen Wärmepumpentarif möglich. Dann kann ein Balkonkraftwerk, das am normalen Haushaltsstromkreis angeschlossen ist, den Stromverbrauch der Wärmepumpe nicht automatisch mit abdecken.
„Wenn du nicht weißt, wie deine Wärmepumpe angeschlossen ist, hilft ein Blick auf die Stromzähler. Im Zweifel kann dir ein Elektrofachbetrieb oder dein Messstellenbetreiber sagen, ob Balkonkraftwerk und Wärmepumpe über denselben Zähler laufen."
Noch besser lässt sich selbst erzeugter Solarstrom nutzen, wenn die Wärmepumpe gezielt dann arbeitet, wenn gerade viel Solarstrom vorhanden ist. Manche Wärmepumpen lassen sich entsprechend steuern. Eine bekannte Möglichkeit ist die sogenannte SG-Ready-Schnittstelle.
Smart Grid Ready
Dies ist eine Schnittstelle, die es ermöglicht, eine Wärmepumpe so zu steuern, dass sie zum Beispiel bevorzugt dann arbeitet, wenn viel Solarstrom verfügbar ist.
Das Fazit
Ein Balkonkraftwerk und eine Wärmepumpe können durchaus sinnvoll zusammenspielen. Läuft die Wärmepumpe zu Zeiten mit Solarerzeugung, kann der selbst erzeugte Strom einen Teil ihres aktuellen Strombedarfs decken und damit den Netzbezug reduzieren.
„Wunder sollte man von einem Balkonkraftwerk dabei nicht erwarten. Eine Wärmepumpe benötigt insbesondere während der Heizperiode wesentlich mehr Energie, als ein kleines Steckersolargerät dauerhaft bereitstellen kann. Besonders interessant ist deshalb der zeitgleiche Betrieb in den sonnenreicheren Monaten. Entscheidend ist außerdem das Messkonzept: Balkonkraftwerk und Wärmepumpe sollten hinter demselben Abrechnungszähler liegen, wenn der Solarstrom unmittelbar auf den gemessenen Strombezug der Wärmepumpe wirken soll", so Markus Struck abschließend.




