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Energy Sharing: Strom an den eigenen Nachbarn verkaufen

5. Juli 2026
Marion Helmes

Marion Helmes

Autor/in

Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in großen Verlagshäusern und in der PR bringt Marion tiefes Kommunikations-Know-how in die Redaktion von Kleines Kraftwerk. Seit 2025 berichtet sie dort über alle relevanten Themen rund um Erneuerbare Energie.

Energy Sharing: Strom an den eigenen Nachbarn verkaufen
Stell dir vor, deine Solaranlage produziert an einem sonnigen Mittag weit mehr Strom als du gerade verbrauchst. Bisher hattest du zwei Optionen: den Überschuss ins Netz einspeisen – zu einer Vergütung von gerade einmal 7,78 Cent pro Kilowattstunde – oder ihn in einem Heimspeicher zwischenlagern. Beides ist nicht ideal. Die Einspeisevergütung deckt die Kosten kaum, und ein Speicher ist voll, bevor der Nachmittag beginnt. Energy Sharing löst dieses Problem, indem es eine dritte Option schafft: Du kannst deinen lokal erzeugten Solarstrom direkt mit Nachbarn oder sogar der gesamten Straße teilen oder verkaufen.
Das Prinzip funktioniert über das öffentliche Stromnetz als gemeinsame Leitung. Ein Anlagenbetreiber speist seinen Überschuss ein, ein Nachbar entnimmt ihn – und das Smart Meter erfasst in Echtzeit, meist viertelstündlich, ob gerade Solarstrom vom Geber-Dach fließt. Nur diese Mengen werden über das Sharing abgerechnet. Alles andere läuft automatisch über den normalen Stromvertrag des Nachbarn.
Wichtig hierbei ist, dass Energy Sharing kaufmännisch und nicht physikalisch funktioniert. Der Strom fließt also weiterhin über das öffentliche Netz, es wird keine direkte Leitung zwischen zwei Häusern gelegt. Stattdessen schließen die Beteiligten Verträge miteinander.

Energy Sharing ist seit dem 1. Juni 2026 nutzbar

Energy Sharing ist zunächst innerhalb des jeweiligen Bilanzierungsgebiets eines Verteilnetzbetreibers nutzbar. Die rechtliche Grundlage, der § 42c EnWG, wurde am 13. November 2025 vom Bundestag beschlossen und ist am 22. Dezember 2025 in Kraft getreten.
Haushalte ohne eigene PV-Anlage können Strom beim Nachbarn günstiger beziehen
Der produzierte PV-Strom wird auch eher direkt vor Ort verbraucht, insbesondere wenn Preisvorteile Anreize für eine zeitliche Verlagerung des Verbrauchs schaffen. Die gemeinsame Erzeugung und Nutzung von lokal erzeugtem Ökostrom stärkt die Energiewende als gemeinschaftliches Projekt.
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Wer Strom aus einer Solaranlage erzeugt, darf ihn unter bestimmten Bedingungen mit anderen Haushalten gemeinsam nutzen (Credit: kleines kraftwerk, erstellt mit der KI)
Im Unterschied zum älteren Mieterstrom-Modell lieferst du beim Mieterstrom den Strom direkt innerhalb eines Gebäudes, ohne das öffentliche Netz zu nutzen, und wirst dabei zum Energieversorger mit allen Pflichten wie Vollversorgung und Abrechnung

Energy Sharing ist deutlich unkomplizierter: Wer eine Anlage betreibt, wird von vielen Pflichten klassischer Energielieferanten befreit und darf nun eine vereinfachte Vereinbarung mit den Stromabnehmern schließen.
Bis zu diesem Datum war Energy Sharing in Deutschland faktisch nicht möglich. Die Anlagenbetreiber mussten sich als Stromlieferanten registrieren und eine Vielzahl an Pflichten erfüllen, darunter die Erfüllung von Bilanzkreisauflagen sowie eine Liefergarantie. Dieser Mehraufwand lohnte sich nicht. Der neue § 42c EnWG (hier nachzulesen) setzt damit eine EU-Richtlinie um, die schon seit 2018 auf eine Umsetzung wartet. Österreich setzt Energy Sharing bereits seit Juli 2021 erfolgreich um.
Der Start hierzulande erfolgt in zwei Stufen: Die technische Wirksamkeit hat am 1. Juni 2026 begonnen (zunächst innerhalb eines Bilanzierungsgebiets). Ab dem 1. Juni 2028 wird Energy Sharing auf angrenzende Bilanzierungsgebiete innerhalb derselben Regelzone erweitert.

Wer ist Netzbetreiber?

Netzbetreiber sind für den sicheren Betrieb und die Wartung der Stromnetze verantwortlich und sorgen dafür, dass erzeugter und verbrauchter Strom jederzeit im Gleichgewicht bleibt. Beim Energy Sharing übernehmen sie außerdem die technische Zuordnung und Abrechnung der gemeinsam genutzten Strommengen.

In der Praxis hängt der konkrete Start aber davon ab, wie schnell der Netzbetreiber die nötigen Prozesse bereitstellt und wie weit der Smart-Meter-Rollout in der jeweiligen Region fortgeschritten ist. Experten erwarten einen flächendeckenden Regelbetrieb erst ab 2029.

Was man technisch für Energy Sharing benötigt

Sowohl die PV-Erzeugungsanlage als auch alle Verbrauchsstellen der Abnehmenden müssen mit einem intelligenten Messsystem (Smart Meter) ausgestattet sein. Die Abrechnungsdaten werden viertelstündlich erfasst. „Herkömmliche Ferraris-Zähler mit Drehscheibe sind für Energy Sharing nicht zugelassen, da sie keine zeitgenaue Datenübermittlung ermöglichen. Erforderlich ist ein Smart Meter Gateway, das Erzeugungs- und Verbrauchsdaten im 15-Minuten-Takt sendet.
Hier liegt jedoch auch gleich das größte, praktische Problem: Deutschlandweit haben erst 5,5 % aller Haushalte einen intelligenten Stromzähler. Unter den zehn größten Netzbetreibern ist die Stromnetz Berlin mit 53 Prozent Abdeckung am weitesten. Wer loslegen will, sollte also zunächst prüfen, ob bei sich und den potenziellen Abnehmern ein Smart Meter verbaut ist – und diesen gegebenenfalls beantragen.

Energy Sharing und Heimspeicher ergänzen sich ideal

Passend zum Start des Energy Sharings brachte Anker am 12. Juni 2026 die neue SOLIX Solarbank 4 E5000 Pro auf den Markt. Die SOLIX 4 Pro 4 E5000 hat eine Speicherkapazität von 5 kWh und lässt sich modular auf bis zu 30 kWh erweitern. Dazu kommen vier MPP-Tracker mit je 1.250 Watt Eingangsleistung, über die sich bis zu zwölf Solarmodule anschließen lassen.
Deal: Duo XL - 1000Wp Balkonkraftwerk mit Speicher Anker SOLIX Solarbank 4 Pro
Bei kleines kraftwerk gibt es die neue Anker SOLIX 4 Pro in Komplettsets (Credit: kleines kraftwerk)

Eine Einschätzung zum Energy Sharing

Energy Sharing ist ein echter Fortschritt für alle, die Solarstrom erzeugen oder von günstigerem Ökostrom aus der Nachbarschaft profitieren möchten. Der rechtliche Rahmen steht seit dem 1. Juni 2026 – die praktische Verfügbarkeit hängt aber davon ab, wie weit der Smart-Meter-Ausbau in der eigenen Region ist. Wer jetzt handelt, einen Speicher wie die neue Anker SOLIX 4 Pro anschafft und dabei direkt den beigelegten Smart Meter nutzt, ist für den Rollout gut aufgestellt.

Lohnt sich Energy Sharing mit einem Balkonkraftwerk?

Bei einem Balkonkraftwerk sind die eingespeisten Strommengen meist deutlich geringer. Zudem wird ein Balkonkraftwerk wirtschaftlich in erster Linie über den Eigenverbrauch und nicht über die Einspeisung betrieben. Wer Solarstrom teilt, gibt also Strom ab, den er möglicherweise später selbst hätte nutzen oder speichern können.

Der größte Hemmschuh ist derzeit nicht das Balkonkraftwerk, sondern das deutsche Energy-Sharing-Modell selbst. Der Empfänger zahlt weiterhin Netzentgelte, Umlagen, Steuern und Abgaben. Dadurch bleibt vom eigentlichen Strompreis nur ein kleiner variabler Anteil übrig, über den überhaupt verhandelt werden kann.