Ist tägliches vollständiges Laden und Entladen wirklich sinnvoll?
Frage des Tages
In unserer Serie „Frage des Tages“ beantworten wir jeden Werktag eine häufig gestellte Frage rund um Balkonkraftwerke, Speicher und Solartechnik – kompakt, fundiert und in wenigen Minuten lesbar.
Die kurze Antwort
Nein, nicht uneingeschränkt. Ein täglicher Vollzyklus von 0 auf 100 % und zurück belastet die Zellen deines Speichers stärker als mehrere kleinere Teilzyklen. Schonender für die Lebensdauer ist es, den Ladezustand überwiegend zwischen 20 und 80 % zu halten. Ganz auf ein volles Laden solltest du trotzdem nicht verzichten, denn dein Batteriemanagementsystem braucht es hin und wieder für den Zellabgleich.
Warum ist das so?
Ein Vollzyklus bedeutet: einmal komplett von 0 auf 100 % laden und wieder auf 0 % entladen. Genau dieser vollständige Hub – die sogenannte Entladetiefe oder „Depth of Discharge" (DoD) – bestimmt maßgeblich, wie stark eine LiFePO4-Zelle altert. Ein Vollzyklus belastet die Zellen stärker als mehrere Teilzyklen, weshalb sich als Faustregel empfiehlt, den Ladezustand möglichst zwischen 20 und 80 % zu halten.
Wichtig zu wissen: Zwei Teilentladungen zählen für die Statistik deines Speichers zusammen wie ein Vollzyklus. Wenn du den Speicher etwa von 70 auf 20 Prozent entlädst und am nächsten Tag wieder um 50 Prozent auflädst, entspricht das einem halben Vollzyklus – zwei solcher Vorgänge summieren sich im Batteriemanagementsystem zu einem vollen Ladezyklus. Für die Zellchemie macht es also einen Unterschied, ob du regelmäßig in die Extreme fährst oder im mittleren Bereich pendelst, auch wenn am Ende die gleiche Energiemenge geflossen ist.
Das solltest du beachten
Ganz vermeiden solltest du den Vollzyklus trotzdem nicht. Moderne LiFePO4-Speicher steuern die einzelnen Zellen über ein Batteriemanagementsystem (BMS), das den Ladezustand jeder Zelle im Paket überwacht. Über die Zeit können sich kleine Abweichungen zwischen den Zellen einschleichen. Deshalb sollte die Batterie mindestens alle paar Tage vollständig aufgeladen werden, damit das BMS die Zellen.
Auch die Temperatur spielt mit. LiFePO4-Zellen fühlen sich chemisch am wohlsten zwischen etwa 15 und 30 Grad Celsius. Wird zusätzlich bei großer Hitze oder Kälte auf 100 Prozent geladen, addiert sich die Belastung durch die Temperatur zu der durch den hohen Ladezustand. Ein moderater Ladehub kombiniert mit einem gemäßigten Temperaturbereich ist daher die schonendste Kombination für deinen Speicher. balancieren und so den korrekten Ladezustand jeder einzelnen Zelle sicherstellen kann. Ein gelegentlicher Vollzyklus ist also kein Fehler, sondern gehört zur normalen Pflege dazu.
Was bedeutet das rechnerisch für die Lebensdauer? Herstellerangaben von 4.000 bis 6.000 Zyklen beziehen sich auf Laborbedingungen und Vollzyklen. In der Praxis kommt ein typischer deutscher Balkonspeicher aufgrund der Witterung – viele Sonnenstunden im Sommer, kaum Ertrag im Winter – auf deutlich weniger.
Wichtig ist außerdem diese Unterscheidung: Der reine Kapazitätsverlust bedeutet nicht das Ende deines Speichers. Das sogenannte End-of-Life ist meist erreicht, wenn die Batterie noch 70 bis 80 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität liefert – sie funktioniert danach weiterhin sicher, nur eben mit etwas weniger Speicherplatz.
Das Fazit
Nein, tägliches vollständiges Laden und Entladen ist auf Dauer nicht die schonendste Methode für deinen LiFePO4-Speicher. Besser für die Lebensdauer sind Teilzyklen im Bereich von 20 bis 80 Prozent Ladezustand, wie sie bei vielen Balkonkraftwerken durch die tageszeitliche Solarerzeugung ohnehin automatisch entstehen. Ein gelegentlicher Vollzyklus alle paar Tage schadet nicht, sondern hilft dem Batteriemanagementsystem sogar beim Zellabgleich.
Weitere Fragen rund um Balkonkraftwerke, Speicher und Solartechnik beantworten wir ausführlich in unserem Online-Magazin.
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