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Neue VDE-Richtlinie bringt Durchbruch: Mehr Freiheit für Balkonkraftwerke & Co.

Aktuelles/News
Veröffentlicht 7. März 2026
Neue VDE-Richtlinie bringt Durchbruch: Mehr Freiheit für Balkonkraftwerke & Co. - Kleines Kraftwerk

Seit dem 27. Februar 2026 gilt die vollständig überarbeitete VDE-AR-N 4105:2026-03. Sie vereinfacht den Netzanschluss kleiner Erzeugungsanlagen und Speicher bis 800 VA. Für ein klassisches Balkonkraftwerk ist trotzdem zuerst zu klären, ob die Sonderregeln des EEG, die Produktnorm DIN VDE V 0126-95 oder das vereinfachte Anschlussverfahren der Anwendungsregel greifen.

VDE-AR-N 4105, Produktnorm und EEG: drei verschiedene Ebenen

Die VDE-AR-N 4105 ist die Technische Anschlussregel für Erzeugungsanlagen und Speicher am Niederspannungsnetz. Sie beschreibt unter anderem Anschlussprozess, Netz- und Anlagenschutz, Nachweise und Formulare. Sie ist keine Produktnorm und ersetzt weder das EEG noch die Regeln für die elektrische Installation.

Die DIN VDE V 0126-95:2025-12 richtet sich dagegen an das Steckersolargerät als Gesamtsystem. Sie legt Sicherheitsanforderungen, Prüfungen, Leistungsgrenzen und zulässige Steckerlösungen für laienbedienbare Geräte fest. Das EEG definiert wiederum, wann die gesetzlichen Vereinfachungen für Steckersolargeräte greifen.

Entscheidend ist die Systemgrenze

Ein einzelner normkonformer Wechselrichter macht noch kein normkonformes Steckersolargerät. Maßgeblich sind das vollständige Set, die gewählte Steckverbindung, die Montage und die vom Hersteller vorgesehenen Schutzmaßnahmen.

Was bringt die VDE-AR-N 4105:2026-03?

VDE FNN nennt als zentrale Neuerungen vereinfachte Anforderungen für Kleinsterzeugungsanlagen und Kleinstspeicher, überarbeitete Netzanschlussformulare sowie weiterentwickelte Regeln für Nulleinspeisung und systemstützende Einheiten.

Für Kleinsterzeugungsanlagen, Kleinstspeicher und kombinierte DC-gekoppelte Erzeugungs- und Speichereinheiten mit einer maximalen Scheinleistung von insgesamt höchstens 800 VA steht ein vereinfachter Anschlussprozess zur Verfügung. Der Anschlussnutzer kann dafür das Formular F.1.2 beim Netzbetreiber verwenden. Oberhalb von 800 VA gilt das reguläre Verfahren.

Bis 800 VA

Das vereinfachte Verfahren nach Abschnitt 4.4 kann für kleine Erzeuger, Speicher und kombinierte Einheiten genutzt werden.

Über 800 VA

Dann ist das reguläre Netzanschlussverfahren nach Abschnitt 4.2 maßgeblich.

Neue Formulare

Die Anwendungsregel trennt klarer zwischen EEG-privilegiertem Steckersolargerät und anderen kleinen Anlagen.

Kein Freibrief

Installationsnormen, Herstellerangaben und Anforderungen des jeweiligen Netzbetreibers bleiben zu beachten.

Was gilt für ein klassisches Balkonkraftwerk?

Für Steckersolargeräte mit insgesamt höchstens 2.000 Wp Modulleistung und 800 VA Wechselrichterleistung gelten die Vereinfachungen des EEG. Wird auf eine Einspeisevergütung verzichtet, entfällt die gesonderte Anmeldung beim Netzbetreiber. Die Anlage muss innerhalb eines Monats nach der Inbetriebnahme im Marktstammdatenregister registriert werden.

Das neue Formular F.1.2 ist für diese typische Konstellation daher normalerweise nicht nötig. Es wird relevant, wenn eine kleine Erzeugungsanlage oder ein Kleinspeicher nicht unter die gesetzliche Definition und deren Privilegien fällt.

Schukostecker: 960 Wp sind nicht dasselbe wie 2.000 Wp

Konfiguration Wechselrichter Modulleistung Voraussetzung
Haushaltsstecker nach Produktnorm maximal 800 VA maximal 960 Wp Schutzmaßnahmen und Gesamtsystem müssen DIN VDE V 0126-95 erfüllen
Spezielle Energiesteckvorrichtung maximal 800 VA maximal 2.000 Wp Energiesteckdose wird von einer Elektrofachkraft installiert und der Stromkreis geprüft
Mehr als 2.000 Wp abhängig von der Planung über 2.000 Wp keine Inbetriebnahme als laienbedienbares Steckersolargerät

Die gesetzliche Obergrenze von 2.000 Wp sagt also nicht automatisch, dass jede solche Anlage über eine vorhandene Schutzkontaktsteckdose angeschlossen werden darf. Für den Haushaltsstecker begrenzt die Produktnorm die Gesamtmodulleistung auf 960 Wp. Außerdem muss die verwendete Steckerlösung die in der Norm beschriebenen Schutzmaßnahmen erfüllen.

Duo BC mit 960 Wp und 800-Watt-Wechselrichter

Duo BC mit zwei 480-Wp-Solarmodulen und 800-Watt-Wechselrichter
Aktuelle Leistungsklasse

kleines Kraftwerk Duo BC

Das Set kombiniert zwei bifaziale 480-Wp-Glas-Glas-Module mit einem Wechselrichter, der maximal 800 Watt in den Haushaltsstromkreis einspeist.

- 960 Wp Gesamtmodulleistung

- 800-Watt-Wechselrichter mit zwei MPPT

- Anschlusskabel und Halterung wählbar

DUO BC BEI KLEINES KRAFTWERK ENTDECKEN

Welche Anschlussvariante am konkreten Standort passt, hängt von Set-Ausführung, vorhandener Elektroinstallation und Herstellerunterlagen ab. Bei einer älteren oder unbekannten Installation, Mehrfachsteckdosen, beschädigten Steckdosen oder auffälliger Erwärmung ist eine Elektrofachkraft die richtige Anlaufstelle.

Speicher sind in der Produktnorm noch nicht enthalten

Die DIN VDE V 0126-95 gilt ausschließlich für Steckersolargeräte ohne elektrischen Speicher. Wird ein Speicher ergänzt, ist die Konformität des ursprünglichen Gesamtsystems mit dieser Produktnorm nicht mehr gegeben. Das zuständige DKE-Komitee arbeitet an gesonderten Anforderungen für Systeme mit Speicher.

Die VDE-AR-N 4105 kann einen Kleinspeicher bis 800 VA zwar in den vereinfachten Netzanschlussprozess einordnen. Das ersetzt aber keine Produktnorm und keine fachgerechte elektrische Installation. VDE FNN stellt ausdrücklich klar, dass die DC-Installation von Erzeugungsanlagen und Speichern unter die einschlägigen Errichtungsregeln fällt und durch einen Elektrofachbetrieb erfolgen muss.

Warum die neue Regel keine 7-kW-DIY-Anlage erlaubt

Aus dem vereinfachten Formular lässt sich keine allgemeine Freigabe ableiten, Anlagen mit mehreren Kilowatt Modulleistung selbst zu errichten. VDE FNN beantwortet die Frage ausdrücklich: Bei mehr als 2 kWp darf eine PV-Anlage auch dann nicht ohne Elektrofachbetrieb in Betrieb genommen werden, wenn ihre Wechselrichterleistung auf 800 VA begrenzt ist.

800 VA begrenzen nicht jedes Installationsrisiko

Die Ausgangsleistung des Wechselrichters ist nur ein Teil der Beurteilung. DC-Spannungen, Leitungsführung, Steckverbinder, Schutzkonzept, Montage und die Einbindung in die bestehende Anlage müssen ebenfalls passen.

Diese Punkte solltest du vor der Inbetriebnahme prüfen

  1. Liegt die Summe aller Steckersolargeräte hinter derselben Entnahmestelle bei höchstens 2.000 Wp und 800 VA?
  2. Passt die Modulleistung zur gewählten Haushalts- oder Energiesteckvorrichtung?
  3. Ist das vollständige Set für die vorgesehene Montage- und Anschlussart dokumentiert?
  4. Ist der Stromkreis intakt und frei von ungeeigneten Mehrfachsteckdosen oder Kabeltrommeln?
  5. Ist die Halterung für Standort, Wind- und Schneelast ausgelegt?
  6. Wurde geklärt, ob nur die MaStR-Registrierung oder zusätzlich ein Verfahren beim Netzbetreiber nötig ist?
  7. Fazit: Mehr Klarheit, aber keine pauschale Plug-and-play-Freigabe

Die VDE-AR-N 4105:2026-03 schafft einen klareren, vereinfachten Anschlussweg für kleine Erzeugungsanlagen und Speicher bis 800 VA. Klassische Steckersolargeräte bleiben über das EEG besonders entlastet und werden bei Verzicht auf Vergütung nur im Marktstammdatenregister registriert.

Für den Anschluss über eine Haushaltssteckdose sind 960 Wp Modulleistung und 800 VA Wechselrichterleistung die zentrale Produktnorm-Grenze. Systeme mit Speicher sowie Anlagen über 2 kWp benötigen eine gesonderte Beurteilung; aus dem neuen Formular folgt keine Erlaubnis für große DIY-Anlagen.

Häufige Fragen zur neuen VDE-AR-N 4105

Ist die VDE-AR-N 4105:2026-03 bereits gültig?

Ja und zwar seit dem  27. Februar 2026.

Muss ein Balkonkraftwerk beim Netzbetreiber angemeldet werden?

Bei höchstens 2.000 Wp, 800 VA und Zuordnung zur unentgeltlichen Abnahme genügt grundsätzlich die Registrierung im Marktstammdatenregister. Wer eine Vergütung beansprucht oder die Grenzen überschreitet, muss die abweichenden Verfahren prüfen.

Darf ein 2.000-Wp-Balkonkraftwerk an eine Schutzkontaktsteckdose?

Nicht nach der aktuellen Produktnorm. Für den Haushaltsstecker sind maximal 960 Wp vorgesehen. Bis 2.000 Wp sind mit einer speziellen Energiesteckvorrichtung möglich, deren Steckdose eine Elektrofachkraft installiert.

Gilt die Produktnorm auch für Balkonkraftwerke mit Speicher?

Nein. Die DIN VDE V 0126-95 deckt nur Steckersolargeräte ohne Speicher ab. Für Speichersysteme sind zusätzliche Anforderungen zu erfüllen; eine eigene normative Regelung ist in Arbeit.

Kann ich mehr als 2 kWp selbst installieren, wenn der Wechselrichter auf 800 VA begrenzt ist?

Nein. VDE FNN ordnet Anlagen oberhalb von 2 kWp außerhalb der laienbedienbaren Steckersolargeräte ein. Die Inbetriebnahme erfordert einen Elektrofachbetrieb.

Marion Helmes

Marion Helmes

Autor/in

Mit mehr als 25 Jahren Erfahrung in renommierten Verlagshäusern und der Unternehmenskommunikation bringt Marion umfassendes Kommunikations-Know-how in die Redaktion von kleines kraftwerk ein. Seit 2025 schreibt sie über erneuerbare Energien und begleitet die Energiewende mit fundierten Ratgebern und praxisnahen Beiträgen.

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