Balkonkraftwerke werden immer beliebter und laut aktueller Auswertungen der Bundesnetzagentur, gibt es bereits mehr als 1,4 Millionen installierte Anlagen in Deutschland. Der Boom verwundert nicht, denn mit kleinen Kraftwerken lässt sich ganz einfach eigener Strom produzieren, ohne gleich das Dach neu decken zu müssen.
Das Inhaltsverzeichnis
Aber wie stehen diese Mini-PV-Systeme eigentlich im Vergleich zu einer großen Photovoltaikanlage? Und für wen lohnt sich welches System mehr? In diesem Ratgeberbeitrag klären wir zu dem Thema auf und nennen die verschiedenen Unterschiede.
Gleiches Prinzip, andere Dimensionen
Beginnen wir mit dem Grundprinzip: Sowohl Balkon- als auch Dachanlagen funktionieren nach demselben Prinzip. Die Solarzellen nehmen Sonnenlicht auf und wandeln es in Gleichstrom um. Dieser geht dann zu einem Mikro-Wechselrichter, wird dort in Haushaltsstrom (Wechselstrom) umgewandelt und über ein Kabel ins Hausnetz eingespeist.
"Der entscheidende Unterschied liegt in der Größe – und darin, was du mit dem Strom machst", so Markus Struck, Geschäftsführer von Kleines Kraftwerk.
- Ein typisches Balkonkraftwerk hat meist zwischen 450 und 800 Watt Leistung, was unter Idealbedingungen etwa 800 kWh pro Jahr bringt.
- Eine mittlere Dach-Photovoltaikanlage dagegen kommt auf 10 Kilowattpeak (kWp), also rund 10.000 Watt (das ist mehr als das Zwölffache).
Damit wird klar: Mit einem Balkonkraftwerk deckst du vor allem den Eigenverbrauch deiner Wohnung, während eine Dachanlage ganze Haushalte versorgt und sogar Überschüsse ins Netz einspeist.
Größe und Platzbedarf – von Mini bis Mega
Hier geht’s um handfeste Zahlen:
Balkonkraftwerk: Ein typisches Modul hat etwa 400 bis 500 Watt Leistung und misst um die 1 × 1,7 Meter. Meist kannst du ein bis zwei Module anbringen, also rund 1,7 bis 3,4 m² Fläche.
Photovoltaikanlage: Eine 10-kWp-Anlage braucht dagegen 60 bis 80 m² Dachfläche – das ist eine ganze Garage voll Sonne.
Das zeigt schon: Balkonkraftwerke sind perfekt für Stadtbewohner oder Mieter mit Südbalkon, während Dachanlagen ihre Stärken auf Eigenheimen mit viel Fläche ausspielen.
Leistung und Ertrag: Mini-Stromwerk vs. Sonnenkraftwerk
Eines gleich vorweg: Ein Balkonkraftwerk wird nie den gesamten Strombedarf decken, aber das ist auch gar nicht sein Ziel. Wer beispielsweise zwei 400-Watt-Module (also 800 Watt maximal) nutzt, wird pro Jahr rund 700 bis 900 kWh Strom erzeugen (je nach Sonnenlage und Ausrichtung). Das deckt ungefähr den Grundverbrauch eines kleinen Haushalts für den Kühlschrank, Router, Fernseher, Laptop, Standby-Geräte.
Eine 10-kWp-Dach-PV-Anlage dagegen bringt in Deutschland durchschnittlich 9.000 bis 10.000 kWh im Jahr, also den Strombedarf einer vierköpfigen Familie oder sogar mehr.
Eigenverbrauch und Autarkie
Bei großen PV-Anlagen liegt der Eigenverbrauchsanteil standardmäßig bei 20 bis 30 %. Das heißt, der Rest geht ins Netz. Mit einem Speicher kann man den Anteil aber auf etwa 60 bis 70 % erhöhen.
Bei einem Balkonkraftwerk ist das fast umgekehrt. Hier wird fast alles sofort selbst verbraucht, weil der erzeugte Strom direkt in die Steckdose fließt und die laufenden Haushaltsgeräte versorgt. Eine Einspeisung lohnt sich meist gar nicht, weil der Überschuss minimal ist und sich ein spezieller Einspeisezähler wirtschaftlich nicht rechnet.
Autarkie? Selbst mit einem großem Speicher bleibt man in Deutschland nie komplett unabhängig. Aber mit einem Balkonkraftwerk kannst du immerhin 15 bis 20 % des Stroms selbst erzeugen.
Beim Anschluss punkten kleine Kraftwerke
Beim Thema Anschluss punkten Balkonkraftwerke, denn sie werden einfach in eine normale Steckdose (Schutzkontaktstecker) eingesteckt. Fertig. Keine Technikertermine, keine Baustelle. Die Installation ist kinderleicht und dauert meistens nicht länger als eine Stunde.
Eine klassische PV-Anlage dagegen erfordert:
- Elektriker mit Fachkenntnis
- Dachmontage
- festen Anschluss im Zählerschrank
- ggf. Umbau des Hausanschlusses
Einspeisevergütung – nur bei großen Anlagen interessant
Wer sich eine Dach-PV-Anlage zulegt, bekommt für jeden eingespeisten Kilowattstunden-Strom eine Einspeisevergütung gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Aktuell liegt sie je nach Anlagengröße bei 7,79 Cent pro kWh. Eine Anmerkung: Die Einspeisevergütung wird halbjährlich um 1 % gesenkt. Das lohnt sich über Jahre hinweg, weil du nicht verbrauchten Strom vergütet bekommst.
Beim Balkonkraftwerk dagegen ist das kaum relevant: Denn der Strom wird direkt im Haushalt verbraucht.
Kosten und Wirtschaftlichkeit
Ein Balkonkraftwerk ist bereits ab etwa 400 bis 1.000 Euro erhältlich (inklusive Solarmodule, Wechselrichter und passender Montagehalterung). Die Investition ist überschaubar und der Einstieg in die eigene Stromproduktion unkompliziert.
Eine Photovoltaik-Dachanlage liegt dagegen je nach Anlagengröße, Dachbeschaffenheit und optionalem Speicher meist bei 12.000 bis 18.000 Euro oder mehr. Natürlich produziert die große Anlage deutlich mehr Strom und senkt die Stromkosten langfristig erheblich stärker.
Trotzdem punktet das Balkonkraftwerk mit einem entscheidenden Vorteil: der schnellen Wirtschaftlichkeit.
Da der erzeugte Strom direkt im Haushalt verbraucht wird, amortisiert sich ein Balkonkraftwerk häufig bereits nach 2 bis 4 Jahren. Ist die Anfangsinvestition erst einmal ausgeglichen, läuft die Anlage nahezu kostenfrei weiter (bei einer Modullebensdauer von über 20 Jahren).
Eine Dach-PV-Anlage benötigt in der Regel 8 bis 12 Jahre, bis sie sich rechnet. Sie kann danach aber viele Jahre hinweg mehrere Tausend Euro Einsparung oder Überschuss erwirtschaften.
Mobilität und Mietertauglichkeit
Ein riesiger Pluspunkt des Balkonkraftwerks: Man kann es bei einem Umzug mitnehmen. Bei einer Photovoltaikanlage geht das natürlich nicht – die ist fest auf dem Dach installiert.
Deshalb sind Balkonkraftwerke auch perfekt für Mieter. Sobald der Vermieter zustimmt (was er laut der geplanten Gesetzesänderung sowieso muss), kann mit der Stromproduktion einfach gestartet werden. Die Meldung beim Netzbetreiber ist nicht mehr nötig, die Anmeldung im Marktstammdatenregister jedoch weiterhin (aber keine Sorge, die Daten sind in wenigen Minuten eingegeben. Wie, das erfährst du hier).
Ob klein oder groß: Jede Solaranlage ist ein Beitrag zur Energiewende
Ob klein oder groß – jede Solaranlage zählt und leistet einen messbaren Beitrag zur Energiewende. Der Unterschied liegt im Umfang der Wirkung.
Ein Balkonkraftwerk reduziert den CO₂-Ausstoß je nach Leistung und Nutzung um rund 300 bis 500 Kilogramm pro Jahr. Eine Photovoltaik-Dachanlage mit etwa 10 kWp spart dagegen etwa 4 bis 5 Tonnen CO₂ jährlich ein.
Beiden Systemen gemeinsam ist ihre gute Klimabilanz: Bereits nach 1,5 bis 2 Jahren haben die Module die Energie ausgeglichen, die für Herstellung und Transport benötigt wurde. Danach produzieren sie jahrzehntelang zuverlässig sauberen Solarstrom.
Das Schöne am Balkonkraftwerk ist die direkte Wirkung
"Bei einem Balkonkraftwerk sieht man sofort, wie sich die eigene Stromrechnung verringert, ohne komplexe Technik oder lange Genehmigungsverfahren. Die Kombination aus niedrigen Kosten, Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit macht Balkon-Solar besonders attraktiv für Städter, Singles oder kleine Haushalte", so nochmals Markus Struck.
Eine Dach-PV-Anlage lohnt sich dagegen dann, wenn du:
- Hausbesitzer bist,
- eine sehr große Dachfläche hast
- und die teurere Investition stemmen kannst.
Am Ende gilt: Jede erzeugte Kilowattstunde Sonnenstrom ist eine gute. Ob auf dem Balkon oder auf dem Dach, Hauptsache, du machst dein eigenes kleines Kraftwerk zum Teil der Energiewende.
Balkonkraftwerke mit Speicher – fast wie eine PV-Anlage, nur günstiger
"Was Balkonkraftwerke heute leisten können, ist kaum noch mit den Anfängen zu vergleichen. Die gesetzlichen Grenzen von 800 Watt Einspeiseleistung gelten zwar weiterhin, aber du kannst dein System mit mehr Modulen und vor allem mit intelligenten Speichern so aufbauen, dass es in der Praxis deutlich mehr bringt", so Markus Struck.
Mit leistungsstarken Modulen lässt sich die Nennleistung mittlerweile auf über 2.000 Watt Peak (Wp) summieren, die Elektronik regelt automatisch, dass nie mehr als 800 Watt ins Hausnetz eingespeist werden.
Der überschüssige Strom wird entweder in Speichern zwischengespeichert oder für verbrauchsintensive Geräte genutzt, sobald sie aktiv sind. Besonders spannend sind hier Systeme wie die Anker Solix Speicherlösungen. Diese modularen Akkus lassen sich parallel betreiben, bieten hohe Speicherkapazitäten und machen dein Balkonkraftwerk fast so leistungsfähig wie eine kleine Dach-PV-Anlage.
Je nach Kombination kannst du damit auch abends, nachts oder an bewölkten Tagen Solarstrom aus deinem Speicher nutzen – ganz ohne Netzeinspeisung.
Das Beste daran: Selbst mit mehreren Speichermodulen und größeren Solarpanels bleibst du deutlich unter den Kosten einer herkömmlichen Photovoltaikanlage.
Balkonkraftwerk oder PV-Anlage: Was lohnt sich für dich wirklich?
Während eine Dachanlage mit Speicher locker über 15.000 Euro kostet, bekommst du ein voll ausgestattetes, modernes Balkonkraftwerk mit Speichererweiterung schon für 3.000 bis 4.000 Euro – inklusive smarter Energieverwaltung über App.
Wie viel Ertrag ist mit einem Balkonkraftwerk möglich?
Falls du jetzt mit dem Gedanken spielst, dir ein Balkonkraftwerk zuzulegen, kannst du mit unserem Ertragsrechner in wenigen Augenblicken herausfinden, mit wie viel Ertrag du rechnen kannst.
Das Tool ist natürlich kostenlos - hier gelangst du diesem.
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Das war unser Beitrag zum Thema Balkonkraftwerk oder PV-Anlage: Was lohnt sich für dich wirklich? Sollten dich weitere Themen rund um kleine Kraftwerke interessieren und du offene Fragen haben, bist du in unserem Online-Magazin an der richtigen Stelle.