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Warum Balkonkraftwerke oft weniger Strom liefern als gedacht
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Marion Helmes

Warum Balkonkraftwerke oft weniger Strom liefern als gedacht - Kleines Kraftwerk

Kleine Solaranlagen für den Balkon versprechen unkomplizierte Einsparungen. In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Viele Anlagen erreichen nicht die Erträge, die Nutzer zu Beginn kalkuliert haben, denn die Anlage liefert nicht die 700, 750 oder 800 Kilowattstunden, die man sich vorgestellt hat, sondern deutlich weniger.

Viele suchen den Fehler sofort bei großen Dingen: Schatten, falsche Ausrichtung, defekte Technik. Diese Ursachen gibt es natürlich, aber in der Praxis liegt der Grund für die Differenz häufig in Details, die kaum behandelt werden. Temperatur, Kabelverluste, Netzspannung und das Verhalten des Wechselrichters können zusammen über 10 bis 20 % Unterschied im Jahresertrag ausmachen.

Ein heimlicher Ertragskiller ist die Temperatur

Solarmodule arbeiten am besten bei moderaten Temperaturen. Hersteller geben eine Leistung bei 25 °C an, aber auf einem heißen Balkon im Sommer kann die Moduloberfläche schnell 60 °C oder mehr erreichen. Mit jedem Grad über 25 °C sinkt die Leistung eines Moduls um etwa 0,35 %. Das klingt nach wenig, summiert sich aber, denn bei 35 °C Temperaturdifferenz zum Referenzwert verliert das Modul schon rund 12 % seiner maximalen Leistung. Ein 400-Watt-Modul produziert dann in der Spitze nicht mehr 400 W, sondern nur noch etwa 350 W.

Über das Jahr gerechnet kann dieser Effekt bei einem typischen 800-Watt-Balkonkraftwerk rund 80 Kilowattstunden ausmachen. Statt einer realistischen Jahresproduktion von 700 kWh kommt man also eher auf 620 kWh, wenn die Module dauerhaft stark erhitzt werden.

Zusatzinformationen: In dem folgenden Video zeigen wir, wie einfach es ist, ein Balkonkraftwerk zu installieren. Ein Single-Flachdach-Set beispielsweise ist so konzipiert, dass du es ohne handwerkliche Vorkenntnisse aufbauen kannst. Mit dem mitgelieferten Befestigungssystem lässt sich das Modul sicher und stabil installieren.

Kabelverluste: Kleines Detail, messbarer Effekt

Die meisten denken bei einem Balkonkraftwerk nicht an die Kabel zwischen Modul, Wechselrichter und Steckdose. Dabei ist das ein Faktor, der dauerhaft wirkt. Elektrischer Strom erzeugt Wärme, und jeder Meter Kabel mit einem gewissen Widerstand kostet Leistung.


Bei einer normalen Kabellänge von acht Metern kann der Verlust zwischen 1 und 2 % der Gesamtleistung liegen. Bei 700 kWh Jahresproduktion bedeutet das 7 bis 14 kWh weniger im Haushalt. Hinzu kommt, dass Verlängerungskabel oder dünne Leitungen diesen Effekt verstärken können.


"Es handelt sich nicht um einen dramatischen Verlust, aber über zehn Jahre summiert sich das zu mehreren hundert Kilowattstunden", so Markus Struck, Geschäftsführer von Kleines Kraftwerk.

Wechselrichter und Netzbedingungen

Ein oft übersehener Punkt ist das Verhalten des Wechselrichters, insbesondere bei schwankender Netzspannung.


Moderne Geräte müssen die Einspeisung konstant an die Netzbedingungen anpassen. Steigt die Spannung im Hausnetz lokal an, reduziert der Wechselrichter automatisch seine Leistung, um das Netz zu schützen


In der Praxis kann das bedeuten, dass ein 800-Watt-Balkonkraftwerk bei voller Sonne nicht die volle Leistung abgibt. Die Anlage liefert dann vielleicht nur 720 bis 750 W in der Spitze. Über einen sonnigen Tag summiert sich dieser Unterschied auf mehrere Kilowattstunden, und über ein Jahr können leicht 20 bis 30 kWh fehlen.


Ein weiteres Detail betrifft den Start des Wechselrichters am Morgen. Jedes Gerät benötigt eine Mindestspannung, bevor es beginnt, Strom zu erzeugen. Ein Wechselrichter, der erst bei höherer Einstrahlung startet, verpasst morgens wertvolle Produktionszeit. Über das Jahr gerechnet können das 10 bis 15 kWh sein.

Warum Balkonkraftwerke oft weniger Strom liefern als gedacht: Praktische Beispiele

Um die Effekte greifbarer zu machen, hier einige typische Jahreswerte für ein 800-Watt-Balkonkraftwerk in Deutschland:


  • Optimale Bedingungen: 700–750 kWh pro Jahr
  • Durchschnittliche Bedingungen mit Teilverschattung und heißem Balkon: 600–650 kWh pro Jahr
  • Anlage mit zusätzlichen Kabelverlängerungen, schlechter Belüftung und moderater Netzspannung: 550–600 kWh pro Jahr

Zur Orientierung: Der Eigenverbrauch liegt meist zwischen 60 und 80 %. Bei einem Strompreis von 32 Cent pro Kilowattstunde bedeutet das: 


  • 700 kWh Jahresproduktion × 70 % Eigenverbrauch = 490 kWh nutzbarer Strom, das entspricht einer Einsparung von ca. 157 Euro.
  • 600 kWh Jahresproduktion × 70 % Eigenverbrauch = 420 kWh nutzbarer Strom, dies bedeutet eine Einsparung von ca. 134 Euro.
  • 550 kWh Jahresproduktion × 70 % Eigenverbrauch = 385 kWh nutzbarer Strom, dies bedeutet eine Einsparung von ca. 123 Euro.

Diese Unterschiede erscheinen klein, summieren sich aber über 10 Jahre zu mehreren hundert Euro. Wer sich nur an die maximale Leistung orientiert, wird oft enttäuscht. 

Alterung der Module

Ein weiterer Faktor ist das Einschaltverhalten des Wechselrichters am Morgen. Jedes Gerät benötigt eine bestimmte Startspannung, bevor es mit der Stromproduktion beginnt. Modelle, die erst bei höherer Einstrahlung anlaufen, verlieren in den frühen Stunden wertvolle Erträge. Auf das Jahr gerechnet kann sich das auf 10 bis 15 Kilowattstunden summieren.

Warum Balkonkraftwerke oft weniger Strom liefern als gedacht: Das Fazit

Wer sich ein Balkonkraftwerk anschafft, sollte sich bewusst sein, dass die Nennleistung von 800 W nur ein Ausgangspunkt ist. Die tatsächlich im Haushalt ankommende Energie hängt von vielen kleinen Faktoren ab: der Temperatur der Module, der Kabellänge, dem Verhalten des Wechselrichters, Netzbedingungen und der Alterung der Module.

In der Praxis bedeutet das: Ein Balkonkraftwerk, das auf dem Papier 700 kWh liefern sollte, kann je nach Bedingungen zwischen 550 und 700 kWh pro Jahr erzeugen. Mit einem realistischen Eigenverbrauch von etwa 70 % spart man also zwischen 120 und 160 Euro pro Jahr bei einem Strompreis von 32 Cent/kWh.

Die Erkenntnis aus der Praxis lautet: Wer sein Balkonkraftwerk optimal nutzt und kleine Details beachtet, kann dauerhaft stabile Ergebnisse erzielen. Wer sie ignoriert, erlebt genau die Enttäuschung, die viele Einsteiger überrascht.

"Der Unterschied zwischen einer Anlage, die nur funktioniert, und einer, die ihr Potenzial ausschöpft, liegt oft in unscheinbaren technischen Details und genau das macht den Unterschied über Jahre hinweg spürbar", so Markus Struck abschließend.

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