Zwei verschiedene Solarmodule an einem Wechselrichter: Geht das?
Ein 480-Wp-Modul und ein 500-Wp-Modul können grundsätzlich am selben Wechselrichter betrieben werden. Auch unterschiedliche Hersteller sind nicht automatisch ein Problem.
Besonders einfach ist das, wenn der Wechselrichter mehrere voneinander unabhängige MPPTs besitzt und jedes Modul an einen eigenen MPPT angeschlossen wird.
Ein Maximum Power Point Tracker (kurz MPPT), ermittelt laufend den Arbeitspunkt, bei dem ein angeschlossenes Solarmodul unter den jeweiligen Bedingungen möglichst viel Leistung liefern kann.
Hat jedes Modul seinen eigenen MPPT, kann der Wechselrichter die Module unabhängig voneinander regeln. Unterschiede bei Modulleistung, Ausrichtung oder Sonneneinstrahlung lassen sich dadurch wesentlich besser berücksichtigen.
Mehr dazu: Wie wird ein Wechselrichter richtig angeschlossen?
Solarmodule müssen nicht identisch sein
Solarwissen kompakt
Zwei Solarmodule müssen nicht dieselbe Wattzahl oder vom selben Hersteller sein. Haben sie jeweils einen eigenen MPPT und liegen ihre elektrischen Werte innerhalb der Vorgaben des Wechselrichters, ist eine Kombination grundsätzlich möglich.
Warum der MPPT so wichtig ist
Solarmodule liefern nicht zu jeder Zeit dieselbe Spannung und denselben Strom. Temperatur, Einstrahlung, Verschattung und Ausrichtung verändern den jeweiligen Arbeitspunkt.
Der MPPT des Wechselrichters versucht deshalb kontinuierlich, den optimalen Betriebspunkt des angeschlossenen Moduls zu finden. Bei zwei getrennten MPPTs können beispielsweise ein nach Südosten und ein nach Südwesten ausgerichtetes Modul unabhängig voneinander geregelt werden.
Das Gleiche gilt grundsätzlich für zwei Module mit leicht unterschiedlichen Leistungswerten.
Schwieriger wird es, wenn unterschiedliche Module gemeinsam an demselben MPPT hängen.
Können unterschiedliche Solarmodule an denselben MPPT?
„Werden zwei verschiedene Solarmodule über eine Reihen- oder Parallelschaltung an denselben MPPT angeschlossen, beeinflussen sich die Module gegenseitig. Bei einer Reihenschaltung addieren sich die Spannungen der Module. Der Strom des gesamten Strangs wird dagegen maßgeblich durch das Modul mit dem niedrigeren Strom bestimmt. Stark unterschiedliche Module können deshalb dazu führen, dass das leistungsfähigere Modul sein Potenzial nicht vollständig nutzen kann," sagt Markus Struck, Geschäftsführer von kleines kraftwerk.
Welche Werte musst du vergleichen?
Die Angabe „500 Wp“ oder „480 Wp“ reicht für die Beurteilung nicht aus. Bevor du unterschiedliche Solarmodule an einen Wechselrichter anschließt, solltest du die Datenblätter der Module und des Wechselrichters miteinander vergleichen.
Wichtig sind insbesondere:
- Leerlaufspannung (Voc) des Solarmoduls
- Spannung am Maximum Power Point (Vmp)
- Kurzschlussstrom (Isc)
- Strom am Maximum Power Point (Imp)
- maximale Eingangsspannung des Wechselrichters
- zulässiger MPPT-Spannungsbereich
- maximaler Eingangsstrom beziehungsweise Kurzschlussstrom
- Anzahl der MPPTs und Zuordnung der Solareingänge
Beispiel: 480 Wp und 500 Wp an einem Wechselrichter
Angenommen, du besitzt ein 480-Wp-Modul und möchtest später ein 500-Wp-Modul ergänzen. Besitzt dein Wechselrichter zwei unabhängig arbeitende MPPTs und wird jeweils ein Modul an einen eigenen MPPT angeschlossen, ist der Unterschied von 20 Wp allein kein Ausschlusskriterium.
Du musst trotzdem prüfen, ob Spannung und Strom beider Module innerhalb der zulässigen Werte des jeweiligen Wechselrichtereingangs liegen.
Es wäre deshalb falsch, lediglich zu sagen: „Beide Module haben ungefähr 500 Watt, also passen sie zusammen.“ Die Leistung sagt nur einen Teil aus. Für die technische Kompatibilität sind vor allem die Spannungs- und Stromwerte entscheidend.
Vorsicht bei Y-Kabeln und mehreren Modulen pro Eingang
Besonders genau solltest du hinschauen, wenn mehrere Solarmodule über Y-Kabel parallel oder in Reihe geschaltet werden sollen. Bei einer Reihenschaltung steigt die Gesamtspannung. Bei einer Parallelschaltung steigt der Gesamtstrom. Dadurch können Grenzwerte des Wechselrichters überschritten werden.
Eine solche Verschaltung solltest du deshalb nur vornehmen, wenn sie für den jeweiligen Wechselrichter vorgesehen ist und die technischen Werte der gesamten Modulkonfiguration innerhalb der Herstellervorgaben liegen.
Kann ich alte und neue Solarmodule kombinieren?
Auch das ist grundsätzlich möglich. Alter oder Herstellername entscheiden nicht allein darüber, ob zwei Module gemeinsam betrieben werden können.
Gerade beim Erweitern eines bestehenden Balkonkraftwerks kann es deshalb sinnvoll sein, nicht zwangsläufig nach exakt demselben Modul zu suchen.
Wichtiger ist, die technischen Daten des vorhandenen Moduls mit denen des neuen Moduls und den Anforderungen des Wechselrichters zu vergleichen.
Bei deutlich unterschiedlichen Modulen ist ein separater MPPT für jedes Modul beziehungsweise jede Modulgruppe in der Regel die technisch sauberere Lösung.
Fazit: Unterschiedliche Solarmodule sind möglich
Du kannst unterschiedliche Solarmodule an demselben Wechselrichter betreiben. Am unkompliziertesten ist es, wenn jedes Modul über einen eigenen MPPT geregelt wird.
Sind mehrere unterschiedliche Module dagegen gemeinsam an einen MPPT angeschlossen, können unterschiedliche Strom- und Spannungswerte die Leistung beeinflussen. Bei Reihen- und Parallelschaltungen musst du außerdem besonders darauf achten, die zulässigen Grenzwerte des Wechselrichters nicht zu überschreiten.
Die wichtigste Regel lautet deshalb: Nicht nur auf die Leistung schauen. Entscheidend sind Spannung, Strom, Verschaltung und die technischen Vorgaben des Wechselrichters.





