Dein Wechselrichter läuft noch auf 600 Watt? So schaltest du die vollen 800 Watt frei
Mit dem Solarpaket I (in Kraft seit Mai 2024) wurde die maximale Einspeiseleistung für Stecker-Solargeräte in Deutschland von 600 auf 800 Watt angehoben. Viele Wechselrichter – darunter Hoymiles HMS-800W-2T – sind ab Werk oder aus früheren Installationen noch auf 600 Watt begrenzt. Die Hardware ist für 800 Watt ausgelegt; die Begrenzung erfolgt softwarebasiert.
Die maximal mögliche Einspeiseleistung steigt von 600 auf 800 Watt (+33 %). Der zusätzliche Jahresertrag liegt in der Praxis meist im niedrigen bis mittleren Prozentbereich, an sonnigen Mittagsstunden aber deutlich höher, weil weniger Modulleistung durch Clipping verloren geht
Vorab zu beachten: Nach der Umstellung muss im Marktstammdatenregister (MaStR) die Wechselrichterleistung auf 800 Watt angegeben werden.
Warum ein Wechselrichter oftmals 600 Watt voreingestellt ist
Ein Wechselrichter für Steckersolar-Geräte ist oft auf 600 Watt voreingestellt, da dies jahrelang die in Deutschland geltende rechtliche Obergrenze für eine vereinfachte Anmeldung war. Dieser Wert sollte verhindern, dass das normale Hausnetz und die Steckdosen überlastet werden.
Um die Rechtssicherheit für Kunden zu gewährleisten, wurden Wechselrichter ab Werk softwareseitig auf 75 % ihrer Nennleistung gedrosselt. Technisch sind sie aber darauf ausgelegt, dauerhaft eine Ausgangsleistung von 800 Watt zu erbringen. Die integrierten Leistungstransistoren und das passive Kühlkonzept sind physikalisch für diesen Thermobereich konstruiert.
Was bringen 200 Watt mehr?
Die Ertragskurve einer Photovoltaikanlage folgt bei klarer Sonneneinstrahlung einer Gauß’schen Glockenkurve. In den Mittagsstunden erreichen deine Solarmodule ihre maximale Spitzenleistung.
Begriffserklärung
Die Gauß’sche Glockenkurve ist nach dem deutschen Mathematiker Carl Friedrich Gauß (1777–1855) benannt. Sie zeigt vereinfacht, wie sich Werte verteilen: Die meisten liegen nahe am Durchschnitt, sehr hohe oder sehr niedrige Werte kommen deutlich seltener vor (Quelle: Wikipedia).
Bei 600-Watt-Drosselung: Liefert eine Modulfläche zur Mittagszeit beispielsweise 750 Watt ab, regelt der Wechselrichter die Einspeisung ab (sogenanntes Clipping). Die Differenz von 150 Watt geht ungenutzt verloren.
Bei 800-Watt-Freischaltung: Der Wechselrichter wandelt die volle Modulleistung um. Ein Haushalt nutzt diesen Strom direkt für Grundlasten oder leistungstärkere Verbraucher wie Waschmaschine, Kaffeemaschine oder Klimaanlage.
Über das gesamte Jahr betrachtet erhöht die Entdrosselung den Eigenverbrauchsertrag spürbar – insbesondere an sonnenreichen Frühjahrs- und Sommertagen.
So wird ein Wechselrichter entdrosselt
Folgend erklären wir anhand des Hoymiles-Wechselrichters HF-800-WB WiFi HiFlow 800, wie dieser auf 800 Watt entdrosselt wird. Da dieser über ein integriertes WLAN-Modul verfügt, benötigt man keine externe DTU-Hardware (Data Transfer Unit), sondern lediglich ein Smartphone und die S-Miles Cloud-App von Hoymiles.
Zwei Voraussetzungen vorab: Der Wechselrichter ist an das Stromnetz angeschlossen und erzeugt Strom (erkennbar ist dies daran, dass die LED-Anzeige grün blinkt). Zudem wird ein eingerichtetes S-Miles-Endkunden- oder Installer-Konto benötigt.
Schritt-für-Schritt-Umstellung
- App öffnen und verbinden: Öffne die S-Miles Cloud App auf dem Smartphone.
- Wechselrichter auswählen: Navigiere zur Anlage und wähle den Hoymiles HMS-800 aus der Geräte-Liste aus.
- Leistungsbegrenzung anpassen:
- Gehe in die Einstellungen / Gerätesteuerelemente (Toolkit oder Gitterprofil/Power Control).
- Suche den Punkt Aktivleistungsbegrenzung (Active Power Limit).
- Ändere den relativen Wert von 75 % auf 100 % (oder trage den absoluten Wert von 800 W ein).
- Befehl senden: Bestätige die Eingabe. Der Befehl wird über die Cloud direkt an das WLAN-Modul deines Wechselrichters übertragen.
- Kontrolle: Nach wenigen Sekunden übernimmt das Gerät das neue Profil. In der Live-Anzeige der App siehst du bei entsprechender Sonneneinstrahlung nun Leistungswerte oberhalb der alten 600-Watt-Grenze.
Sicherheit und Netzverträglichkeit
„Die Erhöhung der Einspeisegrenze auf 800 Watt wurde im Solarpaket I bewusst so ausgestaltet, dass die Netzstabilität und die Sicherheit der Hausinstallationen gewährleistet bleiben. Moderne Wechselrichter verfügen über integrierte Schutzfunktionen (z. B. NA-Schutz, Frequenz- und Spannungsüberwachung), die auch bei 800 Watt eine sichere Einspeisung ins Hausnetz sicherstellen. Für die typische Schutzkontakt- oder Wieland-Steckerinstallation ändert sich dadurch nichts an den geltenden Sicherheitsstandards. Die 800-Watt-Grenze ist explizit auf die Belastbarkeit üblicher Haushaltsleitungen und Steckdosen abgestimmt", sagt Christian Ofenheusle, Senior Inhouse Consultant bei kleines kraftwerk.
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