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Kann Deutschland zu viel Solarstrom haben?

Frage des Tages
Veröffentlicht 1. September 2026
Kann Deutschland zu viel Solarstrom haben? - Kleines Kraftwerk

Frage des Tages

Unsere „Frage des Tages“ beantwortet werktags eine häufige Frage zu Balkonkraftwerken, Speichern und Solartechnik, verständlich, fundiert und kompakt.

Die kurze Antwort

Ja, aber nur zeitweise. Deutschland kann an sonnigen Tagen in einzelnen Stunden mehr Solarstrom erzeugen, als gleichzeitig benötigt oder über das Stromnetz sinnvoll verteilt werden kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass Deutschland grundsätzlich zu viele Solaranlagen hat. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, Erzeugung und Verbrauch besser aufeinander abzustimmen. Dafür braucht es unter anderem leistungsfähige Stromnetze, Speicher und Verbraucher, die Strom gezielt dann nutzen können, wenn besonders viel davon verfügbar ist.

Warum ist das so?

Solarstrom konzentriert sich auf wenige Stunden. Photovoltaikanlagen erzeugen den größten Teil ihres Stroms tagsüber, besonders zur Mittagszeit. Trifft dieses hohe Angebot auf einen vergleichsweise geringen Verbrauch, kann zeitweise mehr Strom angeboten werden als gerade benötigt wird.

Negative Börsenstrompreise als Signal: Negative Preise entstehen, wenn das Stromangebot die Nachfrage übersteigt. Im ersten Halbjahr 2026 gab es laut SMARD, dem Strommarktdatenportal der Bundesnetzagentur, bereits 298 Stunden mit negativen Preisen; 2025 waren es insgesamt 573 Stunden – ein neuer Rekord.

Netzengpässe führen zu Abregelungen: Wenn Strom wegen eines Engpasses nicht dorthin transportiert werden kann, wo er gebraucht wird, müssen Netzbetreiber die Einspeisung einzelner Anlagen reduzieren. Dieses Eingreifen heißt Redispatch. Im ersten Quartal 2026 wurden rund 2.215 GWh erneuerbarer Strom im Redispatch abgeregelt, davon 288 GWh aus Photovoltaik.

Und was bedeutet das für Balkonkraftwerke?

Ein einzelnes Balkonkraftwerk ist für solche Solarspitzen kaum entscheidend. Der erzeugte Strom wird zunächst direkt im eigenen Haushalt verbraucht. Nur der Teil, den du gerade nicht benötigst, fließt ins öffentliche Netz. Du kannst deshalb selbst dazu beitragen, möglichst viel Solarstrom direkt zu nutzen. Waschmaschine, Geschirrspüler oder andere geeignete Geräte können beispielsweise bevorzugt tagsüber laufen. Ein Speicher kann überschüssigen Strom aufnehmen und später am Abend wieder abgeben. Das erhöht den Anteil des selbst genutzten Solarstroms und reduziert gleichzeitig die Einspeisung während besonders sonniger Stunden.

Das Fazit

Deutschland kann zu bestimmten Zeiten mehr Solarstrom haben, als unmittelbar benötigt oder transportiert werden kann. Das ist bereits heute Realität und zeigt sich unter anderem an negativen Strompreisen und zeitweisen Eingriffen in die Stromerzeugung.

Die Lösung besteht aber nicht darin, grundsätzlich weniger Solarstrom zu erzeugen. Entscheidend ist, dass Stromnetze, Speicher und flexible Verbraucher mit dem Ausbau Schritt halten. Je besser sich Erzeugung und Verbrauch aufeinander abstimmen lassen, desto mehr Solarstrom kann sinnvoll genutzt werden.

Marion Helmes

Marion Helmes

Autor/in

Mit mehr als 25 Jahren Erfahrung in renommierten Verlagshäusern und der Unternehmenskommunikation bringt Marion umfassendes Kommunikations-Know-how in die Redaktion von kleines kraftwerk ein. Seit 2025 schreibt sie über erneuerbare Energien und begleitet die Energiewende mit fundierten Ratgebern und praxisnahen Beiträgen.

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