Ein Durchlauferhitzer und ein Balkonkraftwerk arbeiten in völlig unterschiedlichen Leistungsklassen. Während ein Durchlauferhitzer für Dusche oder Bad kurzfristig mehrere Kilowatt benötigt, darf ein Balkonkraftwerk im vereinfachten Betrieb höchstens 800 VA über den Wechselrichter ins Hausnetz abgeben.
Das bedeutet aber nicht, dass ein Balkonkraftwerk in einem Haushalt mit elektrischer Warmwasserbereitung keinen Beitrag leisten kann. Entscheidend ist vielmehr, wann Solarstrom erzeugt wird, welche Verbraucher gleichzeitig laufen und wie viel des erzeugten Stroms direkt im Haushalt genutzt werden kann.
Wie viel Strom zieht ein Durchlauferhitzer?
Große Durchlauferhitzer für Dusche oder Bad arbeiten typischerweise mit einer Anschlussleistung von 18, 21, 24 oder 27 kW. Kompaktgeräte für Küche oder Waschtisch liegen häufig bei etwa 11 bis 13,5 kW. Mini-Durchlauferhitzer für einzelne Handwaschbecken kommen beispielsweise mit rund 3,5 kW aus.
| Einsatz | Typische Leistung | Einordnung |
|---|---|---|
| Handwaschbecken | etwa 3,5 bis 5,7 kW | kleine Wassermenge, begrenzte Temperaturerhöhung |
| Küche oder Kompaktlösung | etwa 11 bis 13,5 kW | höhere Durchflussmenge, meist Festanschluss |
| Dusche und Bad | 18 bis 27 kW | hohe Momentanleistung an 400 V Drehstrom |
Wichtig ist der Unterschied zwischen Leistung und Energieverbrauch. Die auf dem Typenschild angegebene Leistung beschreibt, welche elektrische Leistung das Gerät maximal aufnehmen kann. Für die Stromrechnung ist dagegen entscheidend, wie lange und mit welcher tatsächlichen Leistung der Durchlauferhitzer betrieben wird.
Elektronisch geregelte Geräte passen ihre Leistung unter anderem an Durchflussmenge, Kaltwassertemperatur und gewünschte Warmwassertemperatur an.
Wie viel Strom benötigt eine Dusche mit Durchlauferhitzer?
Das lässt sich nur anhand konkreter Annahmen berechnen.
Ein Beispiel:
Durch einen Duschkopf fließen acht Minuten lang 8 Liter Wasser pro Minute. Das ergibt insgesamt 64 Liter Wasser. Wird dieses Wasser von angenommenen 10 °C auf 38 °C erwärmt, beträgt der Temperaturunterschied 28 Kelvin.
Für diese Erwärmung werden idealisiert rund 2,1 kWh Energie benötigt. Geräte- und Leitungsverluste sowie andere Temperaturen oder Durchflussmengen können den tatsächlichen Verbrauch verändern.
Bei einer solchen Dusche täglich ergäbe die reine Modellrechnung rund 760 kWh Stromverbrauch pro Jahr beziehungsweise etwa 266 Euro bei dem angenommenen Strompreis. Hinzu kommen Trink- und Abwasserkosten.
Wichtig: Die Werte sind keine allgemeine Verbrauchs- oder Kostenprognose. Der tatsächliche Energiebedarf hängt unter anderem von Duschdauer, Wassermenge, Temperaturen, Gerät und individuellem Stromtarif ab.
Wie viel kann ein 800-Watt-Balkonkraftwerk während des Duschens beitragen?
Hier zeigt sich der große Unterschied zwischen beiden Systemen. Angenommen, das Balkonkraftwerk liefert während einer achtminütigen Dusche tatsächlich konstant 800 Watt. In diesen acht Minuten erzeugt es
0,8 kW × 8/60 Stunden = rund 0,11 kWh
Bei einem angenommenen Strompreis von 35 Cent pro Kilowattstunde entspricht das rechnerisch einem Stromwert von knapp vier Cent.
Auch diese Zahl ist lediglich ein Rechenbeispiel. Ein Balkonkraftwerk liefert nicht dauerhaft seine Nennleistung. Die tatsächliche Erzeugung hängt unter anderem von Modulfläche, Ausrichtung, Neigung, Verschattung, Standort, Jahreszeit und Wetter ab.
Ein Durchlauferhitzer mit beispielsweise 21 kW kann deshalb nicht von einem Balkonkraftwerk mit 800 VA Wechselrichterleistung versorgt werden. Bei gleichzeitigem Betrieb kann der Solarstrom lediglich einen kleinen Teil des momentanen Strombedarfs des Haushalts abdecken.
Entscheidend ist nicht nur der Durchlauferhitzer
Wer beurteilen möchte, welchen Beitrag ein Balkonkraftwerk in einem Haushalt leisten kann, sollte nicht ausschließlich auf die wenigen Minuten Warmwasserbereitung schauen.
Viele andere Geräte benötigen über deutlich längere Zeit Strom:
- Kühlschrank
- Router
- Computer und Homeoffice-Technik
- Fernseher und Unterhaltungselektronik
- Haushaltsgeräte
- Stand-by-Verbraucher
Wird während der Solarstromerzeugung gleichzeitig Strom im Haushalt benötigt, kann dieser Bedarf anteilig direkt durch das Balkonkraftwerk gedeckt werden. Dadurch muss entsprechend weniger Strom aus dem öffentlichen Netz bezogen werden.
Wie groß dieser Effekt über einen Tag oder ein Jahr ausfällt, lässt sich jedoch nicht pauschal sagen. Dafür sind insbesondere Standort, Anlagengröße, Ausrichtung, Verschattung und das persönliche Verbrauchsprofil entscheidend.

Quattro XL mit 2.000 Wp
Vier Module und ein 800-VA-Wechselrichter sind für Haushalte mit hohem Tagesverbrauch interessant. Die größere Modulfläche hilft vor allem außerhalb der idealen Mittagsbedingungen – nicht als Vollversorgung des Durchlauferhitzers.
- vier bifaziale 500-Wp-TOPCon-Module
- Hoymiles HiFlow 800 Pro
- zwei unabhängige MPPTs
- bei 2.000 Wp spezielle Energiesteckvorrichtung nach Produktnorm vorsehen
QUATTRO XL-ANSEHENWas bringen vier Solarmodule?
Eine größere Modulfläche kann insbesondere morgens, am späten Nachmittag und bei weniger optimalen Einstrahlungsbedingungen mehr Solarstrom bereitstellen als eine kleinere Modulfläche.
Ein Balkonkraftwerk mit beispielsweise 2.000 Wp Modulleistung speist deshalb aber nicht automatisch 2.000 Watt in das Hausnetz ein.
Bei einem Steckersolargerät wird die AC-Ausgangsleistung weiterhin durch den Wechselrichter beziehungsweise die geltenden technischen und rechtlichen Vorgaben begrenzt.
Vier Module können vor allem dafür sorgen, dass die verfügbare Wechselrichterleistung unter unterschiedlichen Bedingungen häufiger erreicht beziehungsweise über einen längeren Zeitraum genutzt werden kann.
Wie viel Strom tatsächlich erzeugt und im Haushalt genutzt wird, hängt von den individuellen Bedingungen ab.
Quattro XL mit 2.000 Wp
Das Quattro XL kombiniert vier Solarmodule mit einem 800-VA-Wechselrichter. Eine solche Konfiguration kann beispielsweise für Haushalte interessant sein, die auch morgens, nachmittags oder bei diffuser Einstrahlung Solarstrom erzeugen möchten.
Das Set besteht aus:
- vier bifazialen 500-Wp-TOPCon-Modulen
- Hoymiles HiFlow 800 Pro
- zwei unabhängigen MPPTs
Bei Steckersolargeräten mit bis zu 2.000 Wp sind die jeweils geltenden Anschlussbedingungen und Vorgaben der Produktnorm zu beachten.
Hilft ein Batteriespeicher bei einem Durchlauferhitzer?
Ein Batteriespeicher kann Solarstrom aufnehmen und zeitversetzt wieder für den Haushalt bereitstellen. Daraus folgt jedoch nicht, dass er einen großen Durchlauferhitzer direkt versorgen kann.
Ein typischer Bad-Durchlauferhitzer benötigt 18 bis 27 kW Leistung. Viele Speicher für Balkonkraftwerke stellen dagegen nur einen Bruchteil dieser Leistung zur Verfügung.
Ob ein Speicher während des Betriebs eines Durchlauferhitzers einen Teil des Haushaltsbedarfs abdecken kann, hängt unter anderem ab von:
- maximaler Entladeleistung
- Anschlussart
- Phasenkonzept
- Messsystem
- Herstellerfreigaben
- verfügbarem Ladezustand
Ein Speicher sollte deshalb nicht allein danach beurteilt werden, ob während einiger Minuten Warmwasserbereitung weniger Netzstrom benötigt wird.
Für die individuelle Nutzung ist vielmehr relevant, wie viel überschüssiger Solarstrom gespeichert werden kann und zu welchen Zeiten dieser Strom später tatsächlich im Haushalt benötigt wird. Lade- und Entladeverluste sind ebenfalls zu berücksichtigen.
Eine allgemeingültige Aussage zur Wirtschaftlichkeit eines Speichers lässt sich daraus nicht ableiten. Sie hängt vom jeweiligen System, Anschaffungspreis, Solarertrag, Verbrauchsprofil und Strompreis ab.
So lässt sich der Strombedarf fürs Warmwasser beeinflussen
Unabhängig von einem Balkonkraftwerk lässt sich der Energiebedarf eines elektrischen Durchlauferhitzers vor allem über Wassermenge, Temperatur und Nutzungsdauer beeinflussen.
Durchfluss überprüfen
Mit einem Eimer und einer Stoppuhr lässt sich relativ einfach feststellen, wie viele Liter Wasser pro Minute durch den Duschkopf fließen.
Geeigneten Sparduschkopf prüfen
Ein geringerer Wasserdurchfluss bedeutet, dass weniger Wasser erwärmt werden muss. Ob ein Sparduschkopf mit dem vorhandenen Durchlauferhitzer funktioniert, sollte jedoch vorher geprüft werden.
Vor allem ältere hydraulische Durchlauferhitzer benötigen teilweise einen bestimmten Mindestdurchfluss.
Duschdauer reduzieren
Wird weniger Warmwasser genutzt, sinkt entsprechend die Energiemenge, die für dessen Erwärmung benötigt wird.
Temperatur passend einstellen
Bei elektronisch geregelten Geräten kann es sinnvoll sein, die gewünschte Warmwassertemperatur direkt am Durchlauferhitzer einzustellen. Dadurch kann vermieden werden, Wasser zunächst stärker zu erhitzen und anschließend über die Armatur wieder kaltes Wasser beizumischen.
Die Herstellerhinweise des jeweiligen Geräts sollten dabei berücksichtigt werden.
Ältere Geräte überprüfen
Moderne elektronisch oder vollelektronisch geregelte Durchlauferhitzer können die benötigte Leistung genauer an Durchfluss und gewünschte Temperatur anpassen als viele ältere hydraulisch gesteuerte Geräte. Ob ein Austausch sinnvoll ist, hängt jedoch vom vorhandenen Gerät, dessen Zustand und der individuellen Nutzung ab.
Anschluss und Sicherheit
Ein Durchlauferhitzer für Dusche oder Bad ist in der Regel ein fest angeschlossenes 400-Volt-Drehstromgerät mit eigenem Stromkreis und entsprechend hoher Absicherung.
Auswahl, Leitungsdimensionierung, Schutzmaßnahmen und Anschluss gehören deshalb in die Hände eines qualifizierten Elektrofachbetriebs.
Arbeiten an der Elektroinstallation sind nicht Bestandteil der normalen Selbstmontage eines Balkonkraftwerks.
Auch die Art des Stromzählers spielt eine Rolle. Bei einem saldierenden Zähler wird der Stromverbrauch über die Phasen bilanziert. Dadurch kann die einphasige Einspeisung eines Balkonkraftwerks auch den zeitgleichen Netzbezug eines dreiphasig angeschlossenen Verbrauchers bilanziell reduzieren.
Ein Smart Meter kann Stromflüsse sichtbar machen und je nach System zur Steuerung eingesetzt werden. Es ersetzt jedoch keine Prüfung der elektrischen Installation.
Fazit: Balkonkraftwerk und Durchlauferhitzer schließen sich nicht aus
Ein Balkonkraftwerk kann einen großen Durchlauferhitzer nicht vollständig mit Strom versorgen. Dafür unterscheiden sich die Leistungsklassen zu stark. Während der Durchlauferhitzer läuft, kann gleichzeitig erzeugter Solarstrom jedoch einen Teil des aktuellen Haushaltsbedarfs abdecken. Der wesentlich größere Nutzungszeitraum eines Balkonkraftwerks liegt ohnehin außerhalb der wenigen Minuten, in denen Warmwasser erzeugt wird.
Ob und in welchem Umfang dadurch Netzstrombezug und Stromkosten reduziert werden, hängt von der tatsächlichen Solarstromerzeugung, dem zeitgleichen Verbrauch, dem individuellen Stromtarif und gegebenenfalls einem Speicher ab.
Pauschale Aussagen zu einer bestimmten jährlichen Ersparnis oder zur Amortisationszeit sind deshalb nicht sinnvoll. Wer die möglichen Auswirkungen für den eigenen Haushalt einschätzen möchte, sollte mit dem eigenen Stromverbrauch, dem Standort und realistischen Ertragsannahmen rechnen.
Häufige Fragen
Kann ein 800-Watt-Balkonkraftwerk einen Durchlauferhitzer betreiben?
Nein, nicht allein. Ein Gerät für Dusche oder Bad benötigt meist 18 bis 27 kW. Das Balkonkraftwerk kann bei zeitgleichem Betrieb lediglich bis zu 0,8 kW des momentanen Haushaltsbezugs ersetzen.
Wie viel Strom braucht eine achtminütige Dusche?
Im Rechenbeispiel mit 8 Litern pro Minute und einer Erwärmung von 10 auf 38 °C sind es idealisiert rund 2,1 kWh. Durchfluss, Eingangstemperatur, Solltemperatur und Verluste verändern den echten Wert.
Sollte ich nur mittags duschen?
Eine Mittagsdusche kann etwas mehr Solarstrom nutzen, der absolute Effekt bleibt wegen der kurzen Laufzeit klein. Weniger Durchfluss und eine kürzere Duschzeit sparen meist deutlich mehr.
Funktioniert ein Sparduschkopf mit jedem Durchlauferhitzer?
Nein. Alte hydraulische Geräte benötigen häufig einen Mindestdurchfluss zum Einschalten. Prüfe die Herstellerangaben; moderne elektronisch geregelte Geräte kommen meist besser mit geringeren Durchflussmengen zurecht.
Kann ein Speicher den Durchlauferhitzer versorgen?
Übliche Balkonkraftwerk-Speicher erreichen nicht annähernd die Momentanleistung eines großen Durchlauferhitzers. Ob und wie ein System beiträgt, hängt von Entladeleistung, Phasen, Anschlusskonzept und Herstellerfreigabe ab.

