Balkonkraftwerke sind ein echtes Erfolgsmodell der Energiewende im Kleinen. Sie sind schnell installiert, vergleichsweise günstig und machen Mieter wie Eigentümer ein Stück unabhängiger vom Strommarkt. Doch kaum hängt das Modul am Balkon, taucht eine der häufigsten Fragen auf: Was passiert eigentlich bei Teilverschattung? Und vor allem – was sollte man konkret tun?
Das Inhaltsverzeichnis
Bäume, Hauswände oder Regenwolken sorgen im Alltag dafür, dass kein Solarmodul ständig die vom Hersteller unter Laborbedingungen ermittelte Maximalleistung erreicht. Mit ein paar Tricks lässt sich aber dennoch der Ertrag der eigenen Mini-Solaranlage trotz Verschattung optimieren. Wir zeigen, wie es geht.
Teilverschattung ist kein Randproblem
All das ist völlig normal: Das Nachbarhaus wirft am Nachmittag Schatten, das Balkongeländer verdeckt den unteren Modulbereich, ein Baum steht ungünstig, im Winter wandert die Sonne flacher über den Horizont.
Wer glaubt, ein Modul müsse immer in gleißender Südlage baden, um sinnvoll zu sein, unterschätzt die Technik und überschätzt das Problem. Trotzdem gilt: Verschattung will verstanden und klug gemanagt werden.
Warum Teilverschattung überhaupt relevant ist
Photovoltaikmodule bestehen aus vielen in Reihe geschalteten Solarzellen. "Wird eine einzelne Zelle stark verschattet, kann sie den Stromfluss im gesamten Strang beeinträchtigen – vereinfacht gesagt: Das schwächste Glied bestimmt die Kette.
Bei älteren oder einfachen Modulen führte selbst ein kleiner Schatten oft zu erheblichen Leistungseinbußen", so Markus Struck, Geschäftsführer von Kleines Kraftwerk.
Moderne Module sind jedoch mit sogenannten Bypass-Dioden ausgestattet. Sie überbrücken verschattete Zellbereiche, sodass nur der betroffene Abschnitt ausfällt, nicht die gesamte Modulleistung.
Dennoch gilt: Je größer oder dauerhafter die Verschattung, desto stärker sinkt der Ertrag. Entscheidend ist also nicht, ob Schatten vorhanden ist, sondern wie lange, wie stark und an welcher Stelle er auftritt.
Tipp 1: Die Verschattung analysieren
Bevor man hektisch umbaut oder neu kauft, lohnt sich eine nüchterne Bestandsaufnahme. Wann genau fällt der Schatten auf das Modul? Ist es nur morgens für eine Stunde? Oder täglich zwischen 14 und 18 Uhr? Verändert sich die Situation saisonal?
Ein einfacher Selbsttest: Beobachte das Modul an einem sonnigen Tag stündlich oder mache Fotos im Tagesverlauf. Noch präziser geht es mit Solar-Apps oder einem Ertragsmonitor des Wechselrichters. Wenn der Ertrag regelmäßig zu bestimmten Zeiten deutlich einbricht, ist das ein klarer Hinweis auf Verschattung.
Wichtig: Kurzzeitige, kleine Schatten – etwa durch ein Geländer mit schmalen Streben – sind meist weniger dramatisch als großflächige, dauerhafte Abschattungen.
Tipp 2: Standort und Ausrichtung optimieren
Oft lässt sich mit wenigen Handgriffen viel verbessern. Ein häufiger Fehler: Das Modul hängt zu tief hinter einer geschlossenen Balkonbrüstung. Schon das Versetzen um einige Zentimeter nach oben kann entscheidend sein.
Auch der Neigungswinkel spielt eine Rolle. Ein steilerer Winkel kann helfen, Verschattung durch das Geländer zu reduzieren – besonders in den Wintermonaten, wenn die Sonne flach steht. Gleichzeitig verbessert sich oft der Ertrag insgesamt.
Bei seitlicher Verschattung durch Wände oder Mauervorsprünge kann eine leichte Drehung des Moduls sinnvoll sein. Südost oder Südwest ist keineswegs schlecht.
"Ein Balkonkraftwerk muss nicht perfekt nach Süden ausgerichtet sein, um wirtschaftlich zu arbeiten. In vielen Fällen bringt eine schattenärmere Ost- oder Westausrichtung mehr als eine ideal gedachte, aber verschattete Südlage", so Markus Struck erneut.
Tipp 3: Hindernisse prüfen – was darf weg, was nicht?
Manchmal liegt die Ursache im Detail: ein Blumenkasten, eine Markise, ein Wäscheständer, Pflanzen, die im Sommer üppig wachsen. Jede unnötige Abschattung kostet Ertrag. Natürlich lassen sich nicht alle Hindernisse entfernen. Aber bewegliche oder selbst verursachte Schattenquellen sollte man konsequent minimieren.
Gerade bei saisonaler Verschattung durch Bäume lohnt sich ein realistischer Blick: Wenn das Modul im Sommer von dichtem Laub verdeckt wird, sollte man über einen alternativen Montageort nachdenken. Denn die Sommermonate liefern den Großteil des Jahresertrags.
Teilverschattung Balkonkraftwerke: Technische Lösungen in Betracht ziehen
Wenn die Verschattung baulich nicht vermeidbar ist, kann Technik helfen. Moderne Mikrowechselrichter arbeiten auf Modulebene und holen auch bei schwankenden Lichtverhältnissen viel heraus. Bei Balkonkraftwerken mit nur einem oder zwei Modulen ist das ohnehin Standard.
Bei Anlagen mit zwei Modulen kann es sinnvoll sein, diese nicht in Reihe, sondern getrennt an einen Wechselrichter mit zwei MPP-Trackern anzuschließen. So beeinflusst ein verschattetes Modul nicht automatisch das andere.
Auch leistungsoptimierte Module oder solche mit Halbzellen-Technologie reagieren weniger empfindlich auf Teilverschattung. Wer neu kauft, sollte darauf achten. Wer bereits installiert hat, muss nicht sofort umrüsten – aber beim nächsten Upgrade lohnt sich ein Blick auf diese Details.
Realistische Erwartungen behalten
Perfektion ist kein Maßstab. Ein Balkonkraftwerk muss nicht 100 % Idealbedingungen haben, um sinnvoll zu sein. Selbst mit moderater Teilverschattung lassen sich über das Jahr hinweg beachtliche Erträge erzielen.
Die entscheidende Frage lautet: Ist der Ertragsverlust so hoch, dass sich ein Umbau wirtschaftlich lohnt? Wenn ein Modul statt 400 kWh nur 340 kWh im Jahr liefert, ist das kein Drama. Wenn es jedoch dauerhaft auf 150 kWh abrutscht, sollte man handeln.
Hier hilft ein nüchterner Vergleich: Wie hoch ist der tatsächliche Minderertrag? Und welche Kosten oder welcher Aufwand stehen einer Optimierung gegenüber?
Teilverschattung Balkonkraftwerke ist beherrschbar
Teilverschattung ist kein Ausschlusskriterium für ein Balkonkraftwerk. Sie ist vielmehr eine Planungsfrage. Wer beobachtet, analysiert und klug optimiert, kann selbst unter suboptimalen Bedingungen solide Ergebnisse erzielen.
Die wichtigste Haltung dabei: pragmatisch bleiben. Nicht jede Schattenlinie ist ein Problem. Aber dauerhafte, großflächige Abschattung sollte man nicht ignorieren. Kleine Anpassungen am Standort, an der Ausrichtung oder an der Technik können den Unterschied zwischen mittelmäßigem und überzeugendem Ertrag ausmachen. Balkonkraftwerke sind keine Hochleistungs-Solarparks – sie sind praktische Alltagslösungen.
"Und wie bei jeder guten Lösung zählt am Ende nicht die theoretische Perfektion, sondern das durchdachte Zusammenspiel aus Technik, Standort und realistischen Erwartungen", so Markus Struck abschließend.
Weitere Beiträge rund um Balkonkraftwerke & Co.
Das war unser Beitrag zum Thema Teilverschattung Balkonkraftwerke. Solltest du weitere Fragen haben, werden diese in unserem Online-Magazin beantwortet.
Dort erfährst du beispielsweise, wie du dein kleines Kraftwerk im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur anmelden kannst und auch, mit wie viel Ertrag du mit einem 900 Wp-Balkonkraftwerk realistisch rechnen kannst.